17.04.2026

Baubranche unter Druck: Energiepreise und Baukosten explodieren

Der Iran-Krieg trifft die Baubranche mit voller Wucht: Steigende Energie- und Ölpreise verteuern Bitumen, Diesel und weitere Baustoffe spürbar. Erste Raffinerien haben ihre Bitumenpreise bereits deutlich angehoben, Hersteller halten Lieferungen teils zurück, Bauunternehmen berichten von massiv erschwerter Kalkulation. Verbände warnen vor Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten und fordern praxistaugliche Preisgleitklauseln, damit öffentliche Bauvorhaben nicht an unkalkulierbaren Kosten scheitern.

Der erneute Anstieg der Öl- und Gaspreise zeigt sich zunächst am Energiemarkt und trifft dann mit Verzögerung die Baustelle. Nach Einschätzung von Fachleuten verteuern sich dadurch nicht nur Produktion und Logistik, sondern auch zahlreiche Baustoffe, die direkt oder indirekt auf Erdöl basieren. Dazu zählen etwa Bitumenbahnen, Abwasserrohre, Dämmstoffe, Beschichtungen und Asphalt.

Schon jetzt berichten Unternehmen von zurückgehaltenen Lieferungen und ersten kräftigen Preissprüngen. In einzelnen Fällen ist von deutlichen Aufschlägen bei Bitumenprodukten und Kunststoffrohren die Rede. Parallel steigen die Kosten für Diesel weiter – ein besonders sensibler Faktor, weil Baumaschinen und Baugeräte in hohem Maße darauf angewiesen sind.

Asphaltbau besonders unter Druck

Besonders stark trifft die Entwicklung den Straßenbau. Bitumen ist zwar nur ein Bestandteil von Asphalt, aber der teuerste. Entsprechend schlagen Preisänderungen unmittelbar auf das fertige Mischgut durch. Nach Branchenangaben haben einzelne Raffinerien ihre Bitumenpreise bereits deutlich erhöht. Damit droht sich eine Phase vermeintlicher Preisberuhigung bei Baumaterialien rasch wieder zu drehen.

Hinzu kommt: Asphalt war schon vor der aktuellen Eskalation deutlich teurer als noch zu Beginn der vergangenen Preiswelle. Auch Diesel und andere mineralölbasierte Energieträger liegen weiterhin klar über dem Niveau der Jahre vor der jüngsten Krisenserie mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Der Iran-Krieg wirkt damit wie ein weiterer Kostentreiber in einem ohnehin angespannten Markt.

Kalkulation wird zum Risiko

Für Bauunternehmen wird diese Entwicklung schnell zum Problem. Angebote werden oft Monate im Voraus kalkuliert, Preissteigerungen bei Energie und Material lassen sich in laufenden Projekten aber nur begrenzt auffangen. Das hat zur Folge, dass Unternehmen Risiken einpreisen müssen, Ausschreibungen vorsichtiger bearbeitet werden oder im Extremfall Angebote wirtschaftlich nicht tragfähig bleiben.

Gerade öffentliche Auftraggeber bekommen diese Entwicklung zu spüren. Wenn Fördermittel zwar bereitstehen, die tatsächlichen Baupreise aber weglaufen, geraten Projekte unter Druck. Die Sorge in der Branche ist entsprechend groß, dass sich Investitionen in Straßen, Infrastruktur und Hochbau verzögern oder verteuern.

Verbände fordern Preis-Notbremse

Vor diesem Hintergrund werden die Forderungen nach einer Reform der Preisregeln lauter. Bauverbände, darunter die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) und der Bauindustrieverband Ost (BIVO), drängen auf dauerhafte, praxistaugliche Preisgleitklauseln, damit außergewöhnliche Kostensteigerungen fairer zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern verteilt werden können. In vielen europäischen Ländern seien solche Mechanismen längst üblich, während das deutsche System weiterhin als zu starr gelte.

Die Branche argumentiert, dass ohne verlässliche Anpassungsinstrumente die Angebotsbereitschaft sinke – mit direkten Folgen für die Umsetzung öffentlicher Bauvorhaben. Besonders in Krisenzeiten könne es sich der Staat nicht leisten, an bürokratischen Preisregeln festzuhalten, während auf den Baustellen die Kosten davonlaufen.

Teuerung trifft nicht nur die Baustoffe

Die steigenden Energiepreise belasten nicht nur den Bau direkt, sondern erhöhen auch den allgemeinen wirtschaftlichen Druck. Höhere Gas- und Stromkosten verteuern die industrielle Produktion insgesamt und dürften sich mit zeitlichem Abstand breiter in der Preisentwicklung niederschlagen. Für die Bauwirtschaft bedeutet das einen zusätzlichen Zweitrundeneffekt: Auch energieintensive Materialien wie Zement oder Transportbeton könnten weiter unter Preisdruck geraten.

Damit verdichtet sich das Bild einer Branche, die nicht nur mit hohen Finanzierungskosten, Bürokratie und Fachkräftemangel ringt, sondern nun erneut mit einem externen Kostenschock umgehen muss.

Bildquelle: iStock

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