Die Bundesregierung stellt weitere 250 Millionen Euro für die EH55-Plus-Förderung bereit. Seit dem Programmstart im Dezember 2025 wurden rund 52.100 Wohneinheiten mit einem Kredit- und Zuschussvolumen von 4,9 Milliarden Euro gefördert. Aufgrund der hohen Nachfrage wären die ursprünglich vorgesehenen Mittel voraussichtlich vor Jahresende ausgeschöpft gewesen. GdW und ZIA begrüßen die Aufstockung, fordern jedoch langfristig verlässliche Förderbedingungen für den Wohnungsbau. Anträge sind bis Ende Dezember möglich, solange Mittel verfügbar sind.
Der Effizienzhausstandard 55 setzt einen Primärenergiebedarf von höchstens 55 Prozent des gesetzlich definierten Referenzgebäudes voraus. Sie benötigen damit 45 Prozent weniger Primärenergie als das Vergleichsgebäude. Erreicht wird dieser Standard beispielsweise durch eine gut gedämmte Gebäudehülle, energieeffiziente Fenster und moderne Heiztechnik.
Für die aktuelle EH55-Plus-Förderung gelten zusätzliche Anforderungen. So muss die Wärmeversorgung vollständig auf erneuerbaren Energien beruhen, beispielsweise durch Wärmepumpen, Biogas oder entsprechend versorgte Fernwärmenetze. Gebäude mit fossilen Öl- oder Gasheizungen sind damit von der Förderung ausgeschlossen
Bis zu 100.000 Euro Förderkredit pro Wohnung
Die Förderung wird über die KfW im Programm „Klimafreundlicher Neubau“ abgewickelt. Bauherren und Investoren können zinsverbilligte Kredite von bis zu 100.000 Euro je Wohneinheit beantragen.
Neben zinsvergünstigten Krediten sieht das Programm für Städte, Gemeinden und Landkreise einen direkten Zuschuss von 7,5 Prozent der förderfähigen Kosten vor.
Wiederaufnahme soll den Bauüberhang reduzieren
Die ursprüngliche EH55-Neubauförderung war 2022 eingestellt worden. Hintergrund war die damalige Einschätzung, dass sich dieser energetische Standard bereits weitgehend etabliert hatte. Die Förderung sollte sich deshalb stärker auf den anspruchsvolleren Effizienzhausstandard 40 konzentrieren.
Für zahlreiche bereits geplante Projekte bedeutete dies allerdings, dass eine Förderung nach dem bisherigen Standard nicht mehr möglich war. Zusammen mit gestiegenen Baukosten und schwierigen Finanzierungsbedingungen trug dies dazu bei, dass Bauvorhaben zurückgestellt wurden.
Im Dezember 2025 führte die Bundesregierung die zeitlich befristete EH55-Plus-Förderung wieder ein, um bereits genehmigte, aber noch nicht begonnene Projekte wirtschaftlich realisierbar zu machen.
Das Potenzial ist erheblich. Nach Angaben des Bundesbauministeriums waren deutschlandweit mehr als 760.000 Wohnungen genehmigt, aber noch nicht gebaut. Allerdings lassen sich nicht alle diese Vorhaben durch die EH55-Plus-Förderung aktivieren.
GdW fordert langfristige Planungssicherheit
Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW begrüßt die Aufstockung ausdrücklich. Der Verband hatte sich zuvor für eine Fortführung des Programms eingesetzt.
Für den Wohnungsbau in Deutschland sei dies eine gute Nachricht. „Die Bundesregierung setzt damit ein wichtiges Signal für mehr Verlässlichkeit bei der Neubauförderung“, so GdW-Präsident Axel Gedaschko.
Bereits zur Wiederaufnahme der Förderung hatte der Verband auf deren Potenzial verwiesen. Nach damaliger Einschätzung könnten allein bei den GdW-Mitgliedsunternehmen 17.000 bis 20.000 Wohnungen kurzfristig auf den Weg gebracht werden. Bundesweit hält der Verband bei einem Förderzinssatz von einem Prozent sogar bis zu 90.000 Wohnungen für möglich.
Entscheidend sei jedoch, dass die Förderung nicht nur kurzfristige Impulse setze. Gedaschko fordert stabile und ausreichend ausgestattete Förderbedingungen auch über das Jahresende hinaus. Wohnungsunternehmen benötigen langfristige Planungssicherheit, um Investitionsentscheidungen zu treffen und Bauvorhaben umsetzen zu können.
ZIA lobt bedarfsgerechte Förderpolitik
Auch der Zentrale Immobilienausschuss (ZIA) bewertet die Entscheidung positiv. Der Verband verweist darauf, dass die Bundesregierung bereits zum zweiten Mal auf die Nachfrage reagiert hat. Nachdem die ursprünglich bis Ende Juni befristete Förderung verlängert worden war, folgt nun die finanzielle Aufstockung.
„Dass die ursprünglich vorgesehenen Mittel fast vollständig abgerufen wurden, zeigt, wie groß das Interesse und wie real der Bedarf ist: Die Projekte sind baureif und warten auf ihre Umsetzung“, erklärt ZIA-Präsidentin Iris Schöberl.
Der Verband sieht in der Entscheidung ein Beispiel für eine am tatsächlichen Bedarf orientierte Förderpolitik. Zugleich betont auch der ZIA, dass verlässliche Rahmenbedingungen für baureife Projekte entscheidend bleiben.
Ob die Förderung auch 2027 fortgeführt wird, ist bislang offen. Sowohl GdW als auch ZIA machen deutlich, dass aus ihrer Sicht nicht nur die Höhe der bereitgestellten Mittel, sondern insbesondere die langfristige Verlässlichkeit der Neubauförderung über deren Wirkung entscheidet.
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