In unserer Interview-Reihe „Im Fokus“ verraten Fachleute der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, was die Branche wirklich bewegt. In dieser Ausgabe richtet sich der Blick auf die Kommunikation selbst: Anja Schaffrath-Frick, Geschäftsführerin der PresseCOMPANY, spricht über ihre zentralen Learnings bei der OMR 2026, den wachsenden Einfluss von KI auf Sichtbarkeit und Content-Strategien und darüber, dass Kommunikation menschlich bleiben muss.
imo-news: Sie haben Anfang Mai das OMR Festival in Hamburg besucht. Dabei gilt die OMR als Seismograf für digitale Trends. Welches Learning ist Ihnen besonders hängen geblieben?
Anja Schaffrath-Frick: Ich war zum ersten Mal auf der OMR und muss sagen, dass ich überaus begeistert und inspiriert bin. Fast alles drehte sich um die KI – besonders eindrücklich war dabei eine Key Note von Google DeepMind Kareem Ayoub. Er erzählte die „Refrigerator-Story“. Durch die Entdeckung der Elektrizität konnte der Kühlschrank entwickelt werden und dadurch Lebensmittel ortsunabhängig haltbar gemacht werden. Das revolutionierte nicht nur die Lebensmittelindustrie, sondern veränderte jeden Haushalt, die Forschung, die Arbeitswelt und darüber hinaus noch viele mehr. Mit der KI stehen wir wieder vor einem vergleichbaren technologischen Umbruch, da sie ebenfalls in nahezu allen Bereichen unseres Lebens Einzug hält.
Was bedeutet das konkret für die Kommunikation in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft?
Die Branche kommuniziert über komplexe Themen wie Regulierung, Sanierung, Klimaziele, Finanzierung oder Digitalisierung. Gerade hier kann KI helfen, Inhalte schneller zu strukturieren, Varianten zu entwickeln oder Informationen verständlicher aufzubereiten. Allerdings finde ich, dass die eigentliche kommunikative Leistung menschlich bleiben sollte. Um komplexe Themen so aufzubereiten, dass sie interessant und verständlich sind, braucht es Menschen mit einem guten Gespür für die Zielgruppen, für Botschaften und für die Tonalität, außerdem Haltung und kreative Ideen. Eine KI hätte die „Refrigerator-Story“ so wahrscheinlich nicht erzählt.
Was bedeutet das für Unternehmen, die mit ihren Themen weiterhin sichtbar bleiben wollen?
Sichtbarkeit verändert sich gerade grundlegend. Menschen lesen weniger linear, Aufmerksamkeitsspannen werden kürzer und Informationen müssen schneller erfassbar sein. Gleichzeitig werden Inhalte zunehmend von Suchmaschinen, KI-Systemen und Plattformen aufgegriffen, zusammengefasst oder weiterverarbeitet. Wer sichtbar bleiben will, muss daher so kommunizieren, dass Inhalte klar, prägnant und zitierfähig sind. Das bedeutet: starke Kernbotschaften, verständliche Einheiten, gute Überschriften, klare Argumente und Inhalte, die auch außerhalb des ursprünglichen Kontextes funktionieren.
Also reicht klassische Sichtbarkeit über Website, Pressearbeit oder Social Media künftig nicht mehr aus?
Sie bleibt wichtig, aber sie muss anders gedacht werden. Erklären allein reicht heutzutage nicht mehr aus. Mit AI Overviews und KI-Assistenten verändern die Informationsbeschaffung fundamental. Es geht nicht mehr nur darum, irgendwo aufzutauchen, sondern als verlässliche Quelle erkannt und aufgegriffen zu werden. Dafür braucht es Wissen über die Zielgruppe und darüber, wie gesucht wird. Gerade in der Immobilienwirtschaft gibt es viele Themen, die erklärungsbedürftig sind und die so „zerlegt“ werden müssen, dass sie der Suchintension der Zielgruppe entsprechen.
Welche Formate werden dabei besonders wichtig?
Das Bewegtbild ist aus der Social-Media-Kommunikation kaum noch wegzudenken. Wer digital sichtbar sein möchte, braucht zunehmend mehr Filmformate. Nicht zwingend immer groß produziert, aber relevant, verständlich und passend zum Kanal. Podcasts dominieren ebenfalls, weil sie Vertrauen schaffen und komplexe Themen ausführlicher einordnen können. Interessant ist vor allem, wie stark serielle Formate wie kurze wiedererkennbare Reihen und persönliche Einblicke funktionieren. Formate, die mich hier besonders inspiriert haben, waren humorvolle Serien wie Workplace-Dokus, die Einblicke in den Arbeitsalltag geben.
Was dürfen Unternehmen aus Ihrer Sicht jetzt nicht vergessen?
Nicht die KI ersetzt den Menschen – sondern Menschen mit KI ersetzen Menschen ohne KI. Das klingt zunächst zugespitzt, beschreibt aber sehr treffend, worum es gerade geht. KI ist kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern verändert Arbeitsweisen, Prozesse und auch Erwartungen. In Unternehmen sind zunehmend Menschen mit Ideen und Visionen gefragt, die das Potential der KI zu nutzen wissen und keine Angst vor Veränderung haben.
Bildnachweis: PresseCOMPANY
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