30.10.2026

Großaufträge treiben Baukonjunktur: Bauhauptgewerbe verzeichnet Rekordplus bei Auftragseingängen

Die deutsche Bauwirtschaft verzeichnete im August 2026 einen kräftigen Anstieg der Auftragseingänge. Nach Angabe des Statistischen Bundesamtes fiel das monatliche Plus so hoch aus wie nie zuvor seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991. Ausschlaggebend waren mehrere Großaufträge, von denen insbesondere der Tiefbau profitierte. Auch Umsatz und Beschäftigung entwickelten sich positiv. Im Hochbau und insbesondere im Wohnungsbau bleibt die Lage dagegen angespannt. Trotz der erfreulichen Zahlen ist von einer breiten Erholung der Baukonjunktur bislang wenig zu spüren.

Ausschlaggebend für das Rekordplus ist den Großaufträgen im Tiefbau zuzuschreiben, zu dem unter anderem Straßen-, Schienen- und andere Infrastrukturprojekt gehören. Hier legten die Auftragseingänge gegenüber Juli um 31,6 Prozent zu. Im Hochbau, der beispielsweise Wohn- und Bürogebäude umfasst, betrug das Plus 12,4 Prozent.

Auch der Vergleich mit dem Vorjahresmonat zeigt eine positive Entwicklung. Gegenüber August 2025 stieg der reale, kalenderbereinigte Auftragseingang insgesamt um 17,3 Prozent. Allerdings entwickelten sich die beiden Bausparten unterschiedlich. Während der Tiefbau um 36,4 Prozent zulegte, verzeichnete der Hochbau einen Rückgang von 1,7 Prozent.

Dreimonatsvergleich zeigt Unterschiede
Da einzelne Großaufträge die monatlichen Zahlen erheblich beeinflussen können, liefert der Dreimonatsvergleich ein differenziertes Bild. Von Juni bis August 2026 lag der reale saison- und kalenderbereinigte Auftragseingang um 7,6 Prozent über dem Niveau der drei vorangegangen Monate.

Auch hier war der Tiefbau mit einem Plus von 13,8 Prozent der wesentliche Wachstumstreiber. Der Hochbau verzeichnete dagegen lediglich einen Zuwachs von 0,6 Prozent.

Die Zahlen zeigen damit, dass der kräftige Anstieg der Auftragseingänge bislang vor allem auf Infrastruktur- und Tiefbauprojekte zurückzuführen ist. Eine vergleichbare Dynamik im Hochbau lässt sich aus den aktuellen Daten noch nicht ableiten.

Umsatz und Beschäftigung legen zu
Neben den Auftragseingängen entwickelten sich auch der Umsatz im Bauhauptgewerbe positiv. Im August 2026 erwirtschafteten die erfassten Betriebe nominal rund 10,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 10,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Preisbereinigt lag das Plus bei 4,9 Prozent.

Auch die Beschäftigung nahm zu. Die Zahl der im Bauhauptgewerbe tätigen Personen erhöhte sich gegenüber August 2025 um 1,5 Prozent auf rund 548.000.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie bewertet die Entwicklung als positives Signal. Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller spricht angesichts der neuen Zahlen von einem „Licht am Horizont“.

Gleichzeitig verwies er darauf, dass es dauern werde, bis insbesondere größere Bauprojekte tatsächlich umgesetzt werden und sich die höheren Auftragseingänge nachhaltig im Umsatz niederschlagen.

Wohnungsbau profitiert bislang nur begrenzt
Der kräftige Anstieg der Auftragseingänge kommt allerdings nicht überall in der Branche an. Gerade kleinere und mittelständische Bauunternehmen profitieren bislang nur begrenzt von großen Infrastrukturprojekten, da öffentliche Aufträge häufig in umfangreichen Losen vergeben werden. Gleichzeitig sind im Hochbau weiterhin erhebliche Kapazitäten ungenutzt. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes liegt die Geräteauslastung bei lediglich 45 Prozent.

Für den Wohnungsbau ergibt sich aus den aktuellen Konjunkturzahlen noch keine grundlegende Entspannung. Während große Infrastrukturprojekte die Auftragseingänge deutlich erhöhen, entwickelt sich der Hochbau wesentlich verhaltener.

Hinzu kommen schwierige Finanzierungsbedingungen und eine weiterhin angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. Nach dem IW-Wohnindex für das dritte Quartal 2026 steigen die Angebotsmieten weiter, während die Kaufpreise für Wohnimmobilien weitgehend stagnieren oder teilweise zurückgehen. Als wesentlichen Grund nennt das Institut der deutschen Wirtschaft die jüngste Zinsentwicklung, die den Erwerb von Wohneigentum erschwert und zusätzliche Nachfrage auf den Mietmarkt verlagert.

Vor diesem Hintergrund fordert der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes weitere politische Maßnahmen zur Stärkung des Wohnungsbaus. Insbesondere eine gezielte Förderung von Wohneigentum könne nach Einschätzung des Verbands dazu beitragen, die Baukonjunktur anzukurbeln und gleichzeitig die Mietmärkte zu entlasten.

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen damit vor allem die unterschiedliche Entwicklung innerhalb der Bauwirtschaft. Während der Tiefbau von Großaufträgen profitiert, bleibt eine nachhaltige Erholung des Hoch- und Wohnungsbaus bislang aus.



Bildquelle: iStockGetty

Weitere Newsmeldungen finden Sie unter https://imo-news.de/news-archiv/.


Meistgelesen: