Die Immobilienwirtschaft hält trotz schwieriger Rahmenbedingungen an ihren Investitionen in die Digitalisierung fest. Laut der neuen Digitalisierungsstudie von ZIA und EY Parthenon haben 61 Prozent der befragten Unternehmen ihre Budgets sogar erhöht. KI sehen 96 Prozent als künftig relevant für ihr Geschäftsmodell an. Gleichzeitig zeigt die Studie Defizite bei der digitalen Resilienz: Nur jedes zehnte Unternehmen misst diese vollständig, während 70 Prozent eine hohe Abhängigkeit von wenigen großen IT-Anbietern angeben.
Digitalisierungsbudgets entwickeln sich nach oben
Für die inzwischen elfte Digitalisierungsstudie haben der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) und EY Parthenon untersucht, wie sich die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft entwickelt. Im Mittelpunkt der Ausgabe 2026 stehen digitale Resilienz und Souveränität.
Die Ergebnisse zeigen zunächst eine Verschiebung bei den Investitionen. Der Anteil der Unternehmen mit kleineren Digitalisierungsbudgets in Höhe von ein bis fünf Prozent des Umsatzes sank von 62 auf 48 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil mittlerer Budgets zwischen elf und 20 Prozent von zwei auf acht Prozent. Insgesamt geben 61 Prozent der Befragten an, ihre Digitalisierungsbudgets erhöht zu haben.
Als wesentliche Hemmnisse nennen die Unternehmen weiterhin fehlende Fachkräfte mit 74 Prozent, Kosten mit 68 Prozent und mangelnde Datenqualität mit 62 Prozent. Erstmals wurde auch der Mangel an digitalen Kompetenzen einschließlich Cybersicherheit abgefragt, den 45 Prozent als Hindernis sehen.
KI erreicht höchsten Wert aller Technologien
Besonders deutlich fällt die Einschätzung zur Künstlichen Intelligenz aus. 96 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass KI innerhalb der kommenden fünf Jahre für ihr Geschäftsmodell einsatzrelevant sein wird. Damit erreicht sie den höchsten Wert unter allen in der Studie untersuchten Technologien.
Auch Cloud-Anwendungen spielen mit 94 Prozent eine große Rolle. Big Data betrachten 79 Prozent der Befragten als relevant. Andere Technologien sind dagegen bislang deutlich weniger verbreitet. Dazu gehören beispielsweise digitale Zwillinge und Predictive Maintenance.
Gleichzeitig berichten 70 Prozent der Unternehmen von spürbaren Kosteneinsparungen und Effizienzgewinnen durch Digitalisierung.
Digitale Resilienz wird selten vollständig gemessen
Technologische Grundlagen wie Cloud-Lösungen, Backups und Cybersecurity-Strategien sind der Studie zufolge in der Branche mehrheitlich etabliert. Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat darüber hinaus strategische Maßnahmen zur digitalen Resilienz bereits umgesetzt oder konkret geplant.
Bei der systematischen Überprüfung dieser Maßnahmen besteht jedoch eine deutliche Lücke. Nur jedes zehnte Unternehmen misst seine digitale Resilienz vollständig. Bei rund der Hälfte sind entsprechende Kennzahlen lückenhaft, knapp ein Drittel misst digitale Maßnahmen überhaupt nicht.
Auch Prognose- und Frühwarnsysteme sind bislang wenig verbreitet. Lediglich 14 Prozent setzen solche Systeme umfassend ein, während mehr als jedes dritte Unternehmen vollständig darauf verzichtet. Krisensimulationen bleiben laut Studie ebenfalls die Ausnahme.
ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan fasst den Handlungsbedarf so zusammen: „Die Grundlagen stehen – aber Resilienz messen, testen und aktiv steuern: Das ist die Aufgabe, die jetzt ansteht.“
Hohe Abhängigkeit von wenigen IT-Anbietern
Ein weiteres Ergebnis betrifft die digitale Souveränität. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen betrachten technologische Unabhängigkeit als strategisches Ziel. Gleichzeitig geben 70 Prozent an, in hohem Maße von wenigen großen IT-Anbietern abhängig zu sein.
Strategien zur Verringerung dieser Abhängigkeit sind nach den Ergebnissen bislang wenig verbreitet. Dazu zählen etwa die Zusammenarbeit mit mehreren Technologieanbietern oder der verstärkte Einsatz europäischer Alternativen.
Resilienz wird auch für Immobilien wichtiger
Die Studie betrachtet Resilienz nicht nur auf Unternehmensebene, sondern auch mit Blick auf die Immobilienbestände. 40 Prozent der Befragten messen der Widerstandsfähigkeit von Immobilien bereits eine hohe oder sehr hohe Bedeutung bei. Die Anpassungsfähigkeit der eigenen Bestände bewertet die Mehrheit dagegen lediglich als mittelmäßig. Hochflexible Immobilien sind laut Studie weiterhin die Ausnahme.
Als wichtige Treiber der Digitalisierung nennt die Untersuchung insbesondere Energie- und ESG-Anforderungen sowie die Aussicht auf Effizienzgewinne. Geopolitische Risiken und mögliche Krisen- oder Störungsszenarien fließen dagegen bislang nur selten in die strategische Ausrichtung von Immobilienportfolios ein.
Die Ergebnisse zeigen damit ein zweigeteiltes Bild: Digitalisierung ist in der Branche strategisch verankert und die Investitionen bleiben hoch. Bei der Messung, Überprüfung und aktiven Steuerung digitaler Resilienz sehen ZIA und EY Parthenon jedoch weiterhin Handlungsbedarf.
Weitere Details zur Studie und ihren Ergebnissen finden Sie hier: https://zia-deutschland.de/project/digitalisierungsstudie-2026-wer-digital-resilient-ist-bleibt-wettbewerbsfahig-immobilienwirtschaft-stellt-die-weichen/
Bildquelle: iStock
Weitere Newsmeldungen finden Sie unter https://imo-news.de/news-archiv/.
