In unserer Interview-Reihe „Im Fokus“ verraten Fachleute der Wohnungswirtschaft, was die Branche wirklich bewegt. Dieses Mal sprechen Ramin L. Mokhtari, Gründer und Geschäftsführer der GreenAutarky GmbH, und Beiratsvorsitzender Stephan Kiermeyer, über den Einsatz einer neuen Generation der KI in der Wohnungswirtschaft. Sie erklären, wie sich der hydraulische Abgleich automatisieren lässt und wie sich Energieverbrauch, Betriebskosten und Wohnkomfort im laufenden Betrieb verlässlich beeinflussen lassen.
Der hydraulische Abgleich wird in der Branche seit Jahren heiß diskutiert. Wie schafft es Ihre KI-Lösung, die Heizkörper kontinuierlich optimal zu steuern und wie unterscheidet sich dies zum klassischen statischen Abgleich?
Ramin L. Mokhtari: Der klassische hydraulische Abgleich basiert auf einer Norm, die einmalig unter definierten Einstellungen und bei einer bestimmten Außentemperatur berechnet wurde. Die Ergebnisse werden dabei nicht im laufenden Betrieb überprüft, sondern lediglich im Rahmen der einmaligen Zertifizierung. Seit Oktober 2025 gilt jedoch eine angepasste Norm, die fordert, dass der Abgleich bei allen Temperaturzuständen funktioniert.
Unsere KI-Lösung führt den Abgleich täglich auf Basis real gemessener Werte durch und passt sich fortlaufend an. Dabei lernt sie aus dem tatsächlichen Nutzungsverhalten, dem Gebäudezustand und der jeweiligen Anlage. Alle einzelnen KI-Butler in den Wohnungen koordinieren sich untereinander und stellen sicher, dass alle Räume in allen Wohnungen – unabhängig von Wetterlage oder Heizlast – gleichmäßig beheizt werden. Dabei passt sich dieses KI-Kollektiv an die bestehende Energieanlage an und kann problemlos im Bestand eingesetzt werden. Auch spätere Änderungen an Anlagen oder Heizkurven gleicht die KI selbstständig aus.
Herr Kiermeyer, worauf achten Bestandshalter besonders, wenn neue Technologien in den laufenden Betrieb integriert werden sollen – und wie erfüllt GreenAutarky diese Anforderungen?
Stephan Kiermeyer: Bestandshalter haben Wirtschaftlichkeit, Betriebssicherheit und langfristige Werthaltigkeit immer im Blick. Neue Technologien müssen zuverlässig funktionieren, wartungsarm sein und sich ohne größere Eingriffe in bestehende Strukturen integrieren lassen. Gleichzeitig wächst der Druck, energetische Anforderungen zu erfüllen und Nebenkosten stabil zu halten. Lösungen müssen daher messbare Effekte auf Betriebskosten und CO₂-Bilanzen haben und diese transparent nachvollziehbar machen.
GreenAutarky erfüllt diese Anforderungen durch einen praxisorientierten Ansatz, der speziell für den Einsatz im Bestand entwickelt wurde und sich später allen Änderungen der Heizanlagen anpasst. Die Lösung ist modular, skalierbar und hat eine schnelle Amortisation. Gleichzeitig bieten wir transparente Daten und klare Wirtschaftlichkeitsmodelle, die Investitionsentscheidungen erleichtern. Für Bestandshalter bedeutet das mehr Planungssicherheit, geringere Energiekosten und eine nachhaltige Weiterentwicklung ihres Portfolios – bei gleichzeitig hohem Komfort für Mieter.
GreenAutarky ist TÜV-SÜD-zertifiziert. Welche Aspekte der Lösung wurden geprüft und warum ist diese unabhängige Zertifizierung gerade für große Bestände ein wichtiger Vertrauensfaktor?
Ramin L. Mokhtari: Geprüft wurde, ob die Lösung die aktuelle Norm zum hydraulischen Abgleich erfüllt, sowohl auf Ebene einzelner Wohnungen als auch im gesamten Gebäude. Der hydraulische Abgleich ist im Gebäudeenergiegesetz klar verankert und damit rechtlich relevant. Das Zertifikat bestätig vor allem großen Bestandshaltern, dass sie ohne bauliche Eingriffe und mit geringen Investitionen starten können. Die Lösung ist normkonform, betriebssicher und auch für den großflächigen Einsatz geeignet.
Datenschutz und Datensicherheit sind in der Wohnungswirtschaft bekanntermaßen ein sensibles Thema. Wie gewährleistet GreenAutarky, dass personenbezogene Daten geschützt bleiben und nur gebäuderelevante Informationen genutzt werden?
Ramin L. Mokhtari: Cloudbasierte Lösungen können datenschutzrechtlich schnell problematisch werden, insbesondere weil Eigentümer letztlich haften. Sobald personenbezogene Daten den Wohnraum verlassen und zentral verarbeitet werden, lassen sich Rückschlüsse kaum vermeiden. Das widerspricht sowohl der DSGVO als auch dem EU AI Act.
Unsere Lösung verarbeitet personenbezogene Daten ausschließlich lokal in der Wohnung. Nur anonymisierte, gesetzlich zulässige Gebäudedaten werden zentral genutzt. Die Technologie wurde vollständig in Deutschland entwickelt und ist unabhängig von Drittanbietern – ausgelegt speziell auf die Anforderungen der Wohnungswirtschaft.
Ein Blick in die Zukunft: Welche Rolle werden KI-gestützte, selbstlernende Systeme künftig für die energetische Optimierung in der Wohnungswirtschaft spielen und welche Entwicklungen plant GreenAutarky?
Ramin L. Mokhtari: Die aktuelle Heizungssteuerung für wassergeführte Systeme ist der erste Schritt. Künftig erweitern wir die Lösung auf Wärmepumpen sowie Fern- und Nahwärme. Dabei geht es unter anderem um tarifbasierte Wärmeplanung und die Optimierung von Rücklauftemperaturen.
Ein installierter KI-Butler entkoppelt die Wärmenutzung dauerhaft von späteren Änderungen an der Energiequelle. Die KI erfasst und analysiert kontinuierlich präzise Verbrauchs- und Leistungsdaten auf Wohnungsebene und schafft so eine verlässliche Grundlage für Investitionsentscheidungen. Die Grundlage ermöglicht eine bedarfsgerechte Dimensionierung neuer Anlagen. Überdimensionierungen entfallen, Investitionskosten sinken. Zugleich zeigt die KI anhand der realen Betriebsdaten, ob bestehende Heizkörper für eine neue Heiztechnik geeignet sind oder gezielt angepasst werden sollten.
Bildnachweis: GreenAutarky GmbH
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