Mit 3,5 Milliarden Euro stellt der Bund 2025 so viel Geld wie nie zuvor für den sozialen Wohnungsbau bereit. Die Wohnungswirtschaft begrüßt das politische Signal, warnt aber vor strukturellen Hürden bei der Umsetzung. Planungsbeschleunigung, praxistaugliche Förderprogramme und eine realistische Klimapolitik seien notwendig, um den Rückgang bezahlbarer Wohnungen wirksam zu stoppen. Denn die Zahl der Sozialwohnungen hat sich seit 2006 fast halbiert.
Im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2025 sind 3,5 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen. Auch in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2029 bleibt der Bereich priorisiert. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW bewertet die Erhöhung als wichtigen Schritt, sieht jedoch weiterhin grundlegenden Reformbedarf.
„Die heute vom Bundeskabinett beschlossene Rekordförderung für den sozialen Wohnungsbau ist ein starkes Signal in herausfordernden Zeiten. Dass der Bund die Mittel für den sozialen Wohnungsbau im Haushaltsentwurf 2025 auf 3,5 Milliarden Euro erhöht und auch für die kommenden Jahre eine hohe Priorisierung erkennen lässt, begrüßen wir ausdrücklich. Diese Entscheidung unterstreicht, dass das Menschenrecht auf Wohnen in der politischen Realität angekommen ist“, erklärt GdW-Präsident Axel Gedaschko. Der Verband fordert gleichzeitig eine Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Eine „Fast Lane“ für sozialen Wohnungsbau – nach Vorbild der EU-Notfallverordnung für die Energiewende – könnte hier einen entscheidenden Beitrag leisten.
Zudem plädiert der GdW für eine zeitlich befristete, rückwirkende Wiedereinführung der EH-55-Förderung. Diese Maßnahme könnte bundesweit kurzfristig bis zu 51.000 Wohneinheiten ermöglichen. Der finanzielle Aufwand würde sich auf etwa 1,5 Milliarden Euro über zehn Jahre belaufen.
Kritik übt der Verband an den bisherigen Förderprogrammen, die durch hohe energetische Anforderungen zu stark steigenden Baukosten geführt hätten. Die Programme „Klimafreundlicher Neubau“ (KFN) und „Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment“ (KNN) sollten zu einem praxistauglichen Förderinstrument zusammengeführt werden, und das ohne zusätzliche Auflagen, aber mit klarer Begrenzung der Miethöhen.
Auch im Gebäudebestand fordert die Branche eine stärker an den sozialen Realitäten orientierte Klimapolitik. Einzelmaßnahmen mit hohem CO₂-Einsparpotenzial und guter Wirtschaftlichkeit müssten gezielt gefördert werden. Einseitige Vorgaben könnten dagegen zu einer weiteren Belastung des Wohnungsmarkts führen.
Der Druck wächst: Die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland hat sich seit 2006 nahezu halbiert. Auch 2024 ist die Zahl weiter gesunken und liegt nur noch bei rund 1,05 Millionen Einheiten. Ohne regulatorische Änderungen droht dieser Trend ungebrochen anzuhalten, da jedes Jahr zehntausende Wohnungen ihren zeitlich begrenzten Status als Sozialwohnung verlieren.
Die Wohnungswirtschaft fordert daher eine umfassende Gesamtstrategie, die über finanzielle Zusagen hinausgeht. Im Mittelpunkt müssten schnellere Verfahren, verlässliche Förderbedingungen und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Klimaschutz und sozialer Tragfähigkeit stehen.
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