10.08.2026

Zwischen Stadt und Umland: Stadtentwicklung in Deutschland

Deutschlands Großstädte verändern sich: Während Familien mit Kindern zunehmend ins Umland ziehen, bleiben die urbanen Zentren vor allem für junge Erwachsene und Menschen aus dem Ausland attraktiv. 2023 verloren die Großstädte durch innerdeutsche Wanderungen rund 130.000 Menschen, verzeichneten zugleich aber einen Zuzug von etwa 310.000 Personen aus dem Ausland. Der Stadtentwicklungsbericht 2025 sieht bezahlbares Wohnen, klimaresiliente Quartiere und leistungsfähige Infrastrukturen als zentrale Aufgaben der kommenden Jahre.

Großstädte verlieren Familien ans Umland
Der grundsätzliche Trend zur Urbanisierung hält an. Ende 2024 lebten knapp 83,6 Millionen Menschen in Deutschland. Der Anteil der Bevölkerung in Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern ist seit 1950 von knapp 62 Prozent auf 86,2 Prozent im Jahr 2023 gestiegen.

Gleichzeitig zeigt der Stadtentwicklungsbericht eine Verschiebung innerhalb Deutschlands. Seit 2014 verlieren Großstädte kontinuierlich Einwohnerinnen und Einwohner durch innerdeutsche Wanderungen. Besonders deutlich war dies 2022 und 2023. In beiden Jahren zogen jeweils rund 130.000 Menschen mehr aus den Großstädten in andere Teile Deutschlands als umgekehrt. Vor allem Familien mit Kindern orientieren sich zunehmend in Richtung kleinerer Städte und Gemeinden.

Anders sieht es bei jungen Erwachsenen aus. Menschen zwischen 18 und 30 Jahren zieht es weiterhin in die urbanen Zentren – etwa für Ausbildung, Studium oder den Berufseinstieg.

Zuwanderung gleicht Verluste aus
Dass die Einwohnerzahlen der Großstädte trotz der Abwanderung nicht entsprechend sinken, liegt insbesondere an der internationalen Zuwanderung. Für 2023 weist der Bericht einen Wanderungsgewinn der Großstädte aus dem Ausland von rund 310.000 Personen aus.

Damit verändert sich nicht nur die Zahl, sondern auch die Zusammensetzung der Stadtbevölkerung. Die unterschiedlichen Wanderungsbewegungen stellen zugleich neue Anforderungen an Wohnraum, Infrastruktur und die Gestaltung der Quartiere.

Das Quartier rückt stärker in den Fokus
Die Bundesregierung sieht das Quartier als eine zentrale Ebene der künftigen Stadtentwicklung. Wohnen, Arbeiten, Handel, Freizeit und Mobilität sollen stärker zusammengedacht werden. Öffentliche Räume, Grün- und Freiflächen sowie soziale Angebote sollen dazu beitragen, lebenswerte Nachbarschaften zu schaffen.

Ein wesentliches Instrument bleibt dabei die Städtebauförderung. Nach Angaben des Bundesbauministeriums wurden die Bundesmittel 2026 erstmals auf eine Milliarde Euro erhöht. Gefördert werden unter anderem die Sanierung von Schulen, Spielplätze, Grün- und Wasserflächen sowie soziale Angebote.

Städte müssen widerstandsfähiger werden
Neben dem Wohnungsangebot gewinnt die Anpassung an die Folgen des Klimawandels an Bedeutung. Städte und Gemeinden sollen widerstandsfähiger gegenüber Hitze, Starkregen und anderen Extremwetterereignissen werden. Der Bericht nennt dafür unter anderem den Erhalt und die Aufwertung von Grün- und Freiflächen sowie einen verbesserten baulichen Hitzeschutz.

Dabei geht es nicht allein um bauliche Maßnahmen. Auch soziale Teilhabe, Versorgungssicherheit und stabile Nachbarschaften werden als Bestandteile widerstandsfähiger Quartiere betrachtet.

Bezahlbares Wohnen bleibt zentrale Aufgabe
Eine weitere zentrale Herausforderung bleibt die Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Wohnkosten und die Qualität des Wohnumfelds beeinflussen laut Bericht zunehmend auch die Attraktivität von Städten und Regionen als Wohn- und Arbeitsorte.

Daneben soll die Digitalisierung stärker für Stadtplanung, Verwaltung und öffentliche Dienstleistungen genutzt werden. Ziel der Stadtentwicklungspolitik bleibt es, Städte, Gemeinden und Regionen langfristig als lebenswerte Wohn- und Wirtschaftsstandorte zu stärken.

Zum Stadtentwicklungsbericht der Bundesregierung 2025

Bildquelle: iStock