16.08.2026

CO₂-Preis bleibt 2027 bei 65 Euro – Was das für die Immobilienwirtschaft heißt

Der CO₂-Preis wird auch 2027 nicht sinken. Das Bundeskabinett hat am 12. August beschlossen, den nationalen Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne unverändert fortzuschreiben. Doch die Auktionsdaten der EEX zeigen: Der Korridor ist in der Praxis kein Spielraum, sondern ein Deckel. Alle sieben Versteigerungen des Jahres endeten beim Höchstpreis von exakt 65 Euro – bei massiver Überzeichnung. Die Nachfrage überstieg das Angebot zuletzt um das 25-Fache. Für 2026 und 2027 ist damit faktisch klar: Der CO₂-Preis liegt stabil an der oberen Kante.

Für die Immobilienwirtschaft ist das eine verlässliche Planungsgröße – und eine teure. Wer mit Erdgas heizt, zahlt bei 65 Euro je Tonne rund 0,22 Cent mehr pro Kilowattstunde als noch beim 55-Euro-Niveau von 2025. Bei Heizöl liegt der Aufschlag bei 3,2 Cent je Liter. Für ein Mehrfamilienhaus mit 15.000 kWh Gasverbrauch pro Jahr und Wohneinheit summiert sich das schnell auf mehrere hundert Euro zusätzliche Heizkosten pro Einheit und Jahr – jedes Jahr, dauerhaft, planbar. Verwalter, die Betriebskostenabrechnungen erstellen, sollten diesen Posten künftig transparent ausweisen und in Eigentümerversammlungen aktiv ansprechen.

Entlastung für Versorger, nicht für Bestandshalter

Dass der Kabinettsentwurf für Unternehmen Entspannung bringt, ändert daran nichts. Die Energiewirtschaft hat in den vergangenen Wochen massiv auf Nachbesserungen gedrängt – mit Erfolg. So wurde die maximale Gebotsmenge pro Auktion von 50 auf 20 Prozent reduziert, der Teilnehmerkreis auf BEHG-Verpflichtete eingegrenzt und das Banking der Zertifikate eingeschränkt. Der BDEW begrüßt diese Anpassungen ausdrücklich: Sie reduzierten die Überzeichnung, senkten die Finanzierungskosten und machten den Handel handhabbarer. Für die Immobilienwirtschaft bedeutet das jedoch keine Entlastung beim Preis. Die 65 Euro bleiben. Erleichtert wird lediglich die Abwicklung bei den Versorgern – nicht die Belastung beim Endkunden.

Wärmepumpe rechnet sich neu

Für Wohnungsunternehmen stellt sich die Frage nach der Heizungsstrategie mit neuer Dringlichkeit. Während die CO₂-Abgabe auf Erdgas und Heizöl steigt, ist Strom im Juli 2026 laut Statistischem Bundesamt um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr günstiger geworden. Wärmepumpen, die mit Strom betrieben werden, werden im Betrieb zunehmend attraktiver – auch unabhängig von Förderprogrammen. Wer Bestände mit alter Gas- oder Öltechnik hält, sollte die Umrüstung nicht nur unter Klimaschutzgesichtspunkten rechnen, sondern als Wirtschaftlichkeitsfrage. Der CO₂-Preis ist dabei keine Zukunftserwartung mehr, sondern eine belastbare Kennzahl.

Für Bauträger und Projektentwickler hat der Beschluss ebenfalls Konsequenzen. Wer heute Neubauprojekte kalkuliert, muss die CO₂-Kosten in der späteren Betriebsphase mitdenken. Gebäude mit fossil betriebener Heizung werden nicht nur regulatorisch, sondern auch wirtschaftlich zum Risiko – insbesondere im Hinblick auf Vermarktung und Langfrist-Finanzierung. Käufer und Investoren fragen zunehmend nach Betriebskostenprognosen, nicht nur nach dem Kaufpreis. Wer hier keine belastbaren Zahlen liefert, verliert im Wettbewerb.

Ab 2028 entfällt der Deckel

Ab 2028 greift dann der europäische Emissionshandel EU-ETS 2. Dann entfällt der nationale Korridor – aber nicht die Kosten. Im Gegenteil: Der Preis wird künftig vollständig am Markt gebildet, ohne politische Deckelung. Der BDEW sieht noch Korrekturbedarf bei Nachkaufpreisen und Auktionsdesign und will das parlamentarische Verfahren aktiv begleiten. Für die Immobilienwirtschaft ist entscheidend: Die Richtung stimmt nicht auf Entlastung.

Unsere Einschätzung: Der Kabinettsbeschluss wirkt auf den ersten Blick wie eine Nicht-Nachricht – „alles bleibt gleich“. Tatsächlich ist er eine der wichtigsten Planungsnachrichten des Jahres für die Branche. 65 Euro je Tonne sind die neue Untergrenze des Denkens. Wer Bestände, Projekte und Betriebskosten nicht auf dieser Basis durchrechnet, wird ab 2027 böse Überraschungen erleben – und ab 2028 erst recht.