26.01.2026

Klimaschutz im Gebäudebereich: Wohnungswirtschaft fordert Kurskorrektur

Zum Abschluss der Öffentlichkeitsbeteiligung am Klimaschutzprogramm der Bundesregierung hat der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW eine umfassende Stellungnahme vorgelegt. Darin spricht sich der Verband für einen praxisnahen, sozial ausgewogenen und wirtschaftlich tragfähigen Klimaschutz im Gebäudesektor aus. Zentrale Forderungen sind verlässliche Förderbedingungen, realistische Anforderungen an Sanierungen sowie eine stärkere Ausrichtung auf CO₂-Reduktion statt auf starre Effizienzvorgaben. Nur mit langfristiger Planungssicherheit, sozialer Flankierung und stabilen Investitionsbedingungen könne die Wärmewende im Gebäudebestand gelingen.

Praxispfad statt politischem Druck
Nach Auffassung des GdW müsse Klimaschutz im Gebäudesektor stärker an realistischen Umsetzungsbedingungen ausgerichtet werden. Eine politisch forcierte Erhöhung der Sanierungsrate lehnt der Verband ab. Stattdessen spricht sich die Wohnungswirtschaft für einen sogenannten Praxispfad zur CO₂-Reduktion aus. Systemanalysen zeigten, dass bei Fortführung der bisherigen Sanierungsrate geringere Gesamtbelastungen für Energie- und Gebäudesysteme entstünden als bei einer künstlich beschleunigten Sanierung.

Förderpolitik stärker auf Einzelmaßnahmen ausrichten
Kritisch bewertet der GdW die bisherige Ausrichtung der Bundesförderung für effiziente Gebäude. Fördermittel sollten konsequent auf Einzelmaßnahmen konzentriert werden, statt weiterhin hohe Effizienzhausstandards zu begünstigen. Insbesondere Maßnahmen an der Gebäudehülle sollten analog zur Förderung erneuerbarer Energien mit Zuschüssen unterstützt werden. Gleichzeitig fordert der Verband eine langfristige Absicherung der Fördermittel über mindestens zehn Jahre, um Investitionen planbar zu machen.

Experimentierklausel und neue Bilanzierungsansätze
Um zusätzliche Handlungsspielräume zu eröffnen, plädiert die Wohnungswirtschaft für eine Experimentierklausel im Gebäudemodernisierungsgesetz. Diese soll es ermöglichen, CO₂-Bilanzansätze auf Quartiers- oder Bestands­ebene als alternative Erfüllungsoption anzuerkennen. Dadurch könnten Klimaschutzmaßnahmen effizienter gebündelt und wirtschaftlicher umgesetzt werden.

Soziale Flankierung der Wärmewende
Besonderes Gewicht legt der GdW auf die soziale Dimension der Wärmewende. Für energetisch besonders schlechte Gebäude mit einem hohen Anteil einkommensschwacher Haushalte regt der Verband einen zusätzlichen Förderbonus an. Zudem müssten Programme zur sozialen Flankierung der Wärmewende auch für Wohnungsunternehmen geöffnet werden, um soziale Härten abzufedern.

Investitionen ermöglichen, bewährte Modelle stärken
Damit die Wohnungswirtschaft die notwendigen Investitionen leisten kann, sieht der Verband weiteren Reformbedarf im Mietrecht. Starre Umlagegrenzen sollten überprüft und verlässliche Förderstrukturen geschaffen werden. Gleichzeitig spricht sich der GdW dafür aus, etablierte Modelle wie Mieterstrom und Kundenanlagen rechtlich zu stärken. Diese leisteten einen Beitrag zur lokalen Energieversorgung, entlasteten die Stromnetze und wirkten sich unmittelbar kostendämpfend für Mieterinnen und Mieter aus.

Appell an Politik und Gesetzgeber
„Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft steht fest zu den Klimazielen. Klimaschutz im Gebäudesektor muss jedoch realistisch, sozial ausgewogen und wirtschaftlich tragfähig gestaltet werden“, betont Axel Gedaschko, Präsident des GdW. Verlässlichkeit, Planbarkeit und soziale Balance seien entscheidend für „den Erfolg der Klimapolitik im Gebäudebereich und für ihre Akzeptanz in der Gesellschaft.“

(Bildquelle: iStock Getty)

Hier geht es zur vollständigen GdW Stellungnahme zum Klimaschutzprogramm der Bundesregierung.

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