Die EU-Kommission sieht beim deutschen Wohnungsbau erheblichen Reformbedarf. In ihren länderspezifischen Empfehlungen fordert sie eine schnellere Modernisierung und Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und bessere Rahmenbedingungen für Wohnungsbauinvestitionen. Besonders im Fokus stehen schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie, niedrigere Baukosten und ein einfacher, rechtssicherer Gebäudestandard nach dem Vorbild des Gebäudetyps E.
Im Rahmen des Europäischen Semesters hat die EU-Kommission ihre länderspezifischen Empfehlungen für Deutschland vorgelegt. Darin verweist sie auf die schwierige Lage am Wohnungsmarkt. Nach Einschätzung der Kommission sind die Wohnungsbauinvestitionen in Deutschland 2025 bereits das fünfte Jahr in Folge zurückgegangen. Seit 2020 beträgt der Rückgang demnach rund 20 Prozent.
Gleichzeitig warnt die Kommission davor, dass Mietregulierungen die Ursachen der Wohnungsknappheit nicht beheben und Investitionsanreize schwächen können. Entscheidend seien stattdessen Maßnahmen, die den Bau neuer Wohnungen erleichtern.
Verwaltung soll einfacher und digitaler werden
Ein Schwerpunkt der Empfehlungen liegt auf der Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung. Die EU-Kommission fordert Deutschland auf, Verwaltungsverfahren zu vereinfachen, digitale Dienste nutzerfreundlicher zu gestalten und bundesweit einheitlicher verfügbar zu machen.
Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. stimmt dem zu und sieht gerade bei Planungs- und Genehmigungsprozessen erheblichen Handlungsbedarf. Der Verband fordert flächendeckend digitale Baugenehmigungen, verbindliche Fristen und einheitliche Standards über Bund, Länder und Kommunen hinweg.
Gebäudetyp E und einfacheres Bauen im Fokus
Auch bei den Baukosten sieht die Kommission Reformbedarf. Als mögliche Hebel nennt sie vereinfachte Regeln, bessere Flächenmobilisierung, mehr sozialen Wohnungsbau und einen einfachen, bedarfsgerechten Gebäudestandard nach dem Vorbild des Gebäudetyps E.
Aus Sicht des GdW bestätigt dies die Forderung nach einem rechtssicheren Basisstandard für bezahlbares Bauen. Ziel müsse es sein, überzogene Detailstandards zu reduzieren und zugleich sichere, qualitätsvolle und kostengünstigere Gebäude zu ermöglichen.
GdW fordert konsequente Umsetzung
Der GdW fordert die Bundesregierung auf, die Empfehlungen der EU-Kommission als konkreten Arbeitsauftrag zu verstehen. Notwendig seien steuerliche Investitionsanreize, verlässliche Förderbedingungen, ein wirksames Einfacher-Bauen-Gesetz sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Aus Sicht des Verbands liegt der zentrale Hebel nicht in weiterer Regulierung, sondern in besseren Investitionsbedingungen. Nur wenn Verfahren einfacher, schneller und digitaler werden, könne der Wohnungsbau wieder in Gang kommen.
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