
In unserer Interview-Reihe „Im Fokus“ verraten Fachleute der Wohnungswirtschaft, was die Branche wirklich bewegt. In dieser Ausgabe erklärt Dr. Alexander Conreder, Leitung Wohnungswirtschaft bei EnBW Energie Baden-Württemberg AG, warum Ladeinfrastruktur im Mehrfamilienhaus längst mehr ist als ein „Nice-to-have“, welche Wettbewerbsvorteile Bauträger, Bestandshalter und Eigentümer durch eine frühzeitige Planung sichern – und wie sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit dabei sinnvoll verbinden lassen.
imo-news: Herr Dr. Conreder, warum wird Ladeinfrastruktur im Mehrfamilienhaus aus Ihrer Sicht zum neuen Standard?
Dr. Alexander Conreder: Elektromobilität ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern längst Realität. Eine Immobilie ohne Ladepunkte wirkt bald wie ein Haus ohne Internetanschluss, denn Bewohnerinnen und Bewohner erwarten heute, ihr Fahrzeug zuhause laden zu können. Und das genauso selbstverständlich wie fließendes Wasser oder WLAN. Wer diese Infrastruktur nicht anbietet, verliert mittelfristig an Attraktivität. Ein Gebäude ohne Ladeinfrastruktur wird in wenigen Jahren schwerer zu vermarkten sein. Darum sind Lademöglichkeiten bereits für viele Projektentwickler nicht mehr Kür, sondern zum Standard geworden.
Viele Wohnungsunternehmen zögern noch, weil sie hohe Kosten und komplexe Umsetzungen befürchten. Was entgegnen Sie diesen Vorbehalten?
Diese Sorgen sind nachvollziehbar, aber oft unbegründet. Moderne Konzepte setzen auf modulare Systeme, die sich sehr einfach integrieren lassen. Wer bei einer Sanierung oder einem Neubau gleich die Grundinstallation mitdenkt, spart sich aufwendige Nachrüstungen. Ein Beispiel ist der sogenannte Backplate-Ansatz: Man schafft eine Basisinfrastruktur, die sich später flexibel um Ladepunkte erweitern lässt, ohne Staub, Lärm oder hohe Zusatzkosten. Das nimmt den Projekten viel von ihrem vermeintlichen Schrecken und der Ausbau der Ladepunkte kann dann bedarfsgerecht sehr einfach erfolgen.
Können Sie erklären, wie solche modularen Systeme den Einstieg erleichtern?
Man kann sich das wie eine Art „Vorinstallation“ vorstellen: In den Gebäuden werden Leitungen und Verteiler vorbereitet, sodass später jederzeit Ladepunkte nachgerüstet werden können. Wenn ein Bewohner einen Ladepunkt wünscht, müssen nicht neue Kabel und Trassen gelegt werden, sondern man schließt einfach an die vorhandene Infrastruktur an. Das ist schnell, sauber und ressourcenschonend und reduziert auch Konflikte innerhalb der Eigentümergemeinschaft, weil die baulichen Eingriffe minimal sind. Wenn hierbei zusätzlich die Technik Powerline genutzt wird, müssen keine extra Datenkabel gelegt werden – die Datenkommunikation zwischen den Ladepunkten und dem Lastmanagement erfolgt einfach und direkt über die Stromleitung.
Welche Vorteile haben Bauträger und Bestandshalter konkret, wenn sie Ladeinfrastruktur frühzeitig in Neubau- oder Sanierungsprojekte integrieren?
Bauträger können direkt einen Mehrwert für ihre Immobilienprojekte erzeugen und dabei Synergien beim Bau heben, unter anderen in den Bereichen Elektrotechnik und Brandschutz. Bestandshalter wiederum sichern die langfristige Attraktivität und Wertstabilität ihrer Objekte und sind nicht bereits bei der Übergabe der Liegenschaft mit späteren Kosten konfrontiert. Nach einer Pause im Hochlauf der Elektromobilität zieht der Markt nun wieder an und wird weiter wachsen. Ladeinfrastruktur wird daher zunehmend ein Entscheidungskriterium bei Kauf und Miete sein. Wer sie bietet, hebt sich vom Wettbewerb ab und positioniert sein Portfolio als modern und zukunftsfähig.
Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit werden oft als Gegensatz gesehen. Wie lässt sich mit Ladeinfrastruktur tatsächlich beides erreichen?
Nachhaltigkeit rechnet sich längst. Smarte Lastmanagementsysteme sorgen dafür, dass der vorhandene Strom effizient verteilt wird und keine teuren Netzanschlussverstärkungen nötig sind. Seit dem 1. Januar 2024 gibt es zudem für den Ladestrom vergünstigte Netzentgelte. Für die Nutzer ist das Laden komfortabel und transparent – und das mit einfachen Abrechnungslösungen, die Fairness sicherstellen. So wird das Laden so selbstverständlich wie das Einschalten des Lichts. Betreiber profitieren von stabilen Investitionen, Bewohner von einem echten Mehrwert und beides zusammen steigert die Wettbewerbsfähigkeit der Immobilie.
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Bildnachweis: EnBW Energie Baden-Württemberg AG
