
In unserer Interview-Reihe „Im Fokus“ verraten Fachleute der Wohnungswirtschaft, was die Branche wirklich bewegt. In dieser Ausgabe spricht Alexander Klier, Leiter Key Account Management Wohnungswirtschaft Deutschland bei Buderus, über die häufigsten Unsicherheiten rund um Wärmepumpen im Winter und darüber, warum die Technik auch im Bestand längst besser funktioniert, als viele denken.
imo-news.de: Herr Klier, überall ist vom großen Heizungstausch die Rede. Gleichzeitig haben viele das Gefühl, dass Wärmepumpen im Winter an ihre Grenzen stoßen. Warum ist dieses Thema so aufgeladen?
Alexander Klier: Die Unsicherheiten rund um Wärmepumpen entstehen häufig, weil viele noch an ältere oder weniger leistungsfähige Systeme denken. Die Daten zeigen jedoch klar, dass moderne Wärmepumpen auch bei Minusgraden zuverlässig arbeiten. Das sieht man besonders in Ländern mit deutlich kälteren Wintern als in Deutschland. Norwegen und Finnland gehören zu den europäischen Spitzenreitern bei der Wärmepumpenverbreitung und den jährlichen Neuinstallationen. In Norwegen sind zum Beispiel pro 1.000 Haushalte 632 Wärmepumpen installiert, dicht gefolgt von Finnland mit 524. 2024 wurden wurden in Norwegen pro 1.000 Haushalte 48 und in Finnland 33 neu installiert. Dass ausgerechnet diese Länder auf die Technologie setzen, bestätigt ihre Wintertauglichkeit. Die Zahlen in Deutschland liegen weit darunter, dennoch waren Ende 2024 bereits rund 1,6 Millionen Wärmepumpen installiert.
Ein oft genanntes Gegenargument lautet: „Im Bestand funktioniert das nicht.“ Wie realistisch ist der Wärmepumpeneinsatz in älteren Gebäuden tatsächlich?
Sehr viel realistischer, als viele annehmen. Die Vorstellung, dass nur perfekt gedämmte Neubauten für Wärmepumpen geeignet sind, ist veraltet. Moderne Wärmepumpen sind deutlich effizienter als frühere Generationen und eignen sich auch für viele Bestandsgebäude. Entscheidend sind passende Rahmenbedingungen, etwa ausreichend große Heizflächen oder Verbesserungen der Gebäudehülle. In vielen Fällen lässt sich das gut umsetzen. Und dort, wo die Voraussetzungen noch nicht vollständig gegeben sind, zum Beispiel bei teilweise sanierten Häusern aus den 70er-Jahren oder unsanierten Gebäuden aus den 50ern, gibt es heute Wärmepumpen-Hybridsysteme, die wir auch bei Buderus anbieten. Diese kombinieren eine Wärmepumpen-Außeneinheit mit einem gas- oder ölbetriebenen Spitzenlastkessel. Das ermöglicht es Eigentümern, ihr Gebäude Schritt für Schritt zu ertüchtigen und trotzdem schon jetzt erneuerbare Wärme einzubinden.
Wie sieht es mit den Betriebskosten aus? Steigt der Stromverbrauch im Winter nicht deutlich an?
Der Strombedarf steigt bei niedrigen Temperaturen, weil die Wärmepumpe mehr leisten muss… das stimmt. Entscheidend ist aber, wie effizient moderne Geräte dabei arbeiten. Moderne Geräte sind darauf ausgelegt, auch bei Frost effizient zu laufen. Der Wärmepumpenfeldtest „WPsmart im Bestand“ des Fraunhofer ISE zeigt, dass die Jahresarbeitszahl (JAZ) der getesteten Luft-Wasser-Wärmepumpen zwischen 2,5 und 3,8 lag, mit einem Mittelwert von 3,1. Das bedeutet, aus 1 kWh Strom werden mehr als 3 kWh an Wärmeenergie erzeugt.
Für die Kosten ist außerdem wichtig nicht allein den Winter, sondern das ganze Jahr zu betrachten. Ein Vergleich von Verivox zeigt dabei, dass die jährlichen Heizkosten einer Wärmepumpe mit einer JAZ von 4 im Durchschnitt bei 1.337 Euro liegen. Mit Erdgas liegen die Kosten im Vergleich bei 2.262 Euro. Selbst bei weniger effizienten Anlagen ist die Wärmepumpe laut Verivox noch rund 13 Prozent günstiger als der Betrieb einer Gasheizung. Und auch die Ergebnisse des „Heizspiegel 2025“ bestätigen, dass Wohnungen, die mit Wärmepumpe beheizt wurden, im Abrechnungsjahr 2024 im Durchschnitt deutlich niedrigere Heizkosten hatten als solche mit Gas- oder Ölheizung.
Viele sorgen sich auch darum, ob Wärmepumpen im Winter überhaupt die nötigen Vorlauftemperaturen erreichen. Ist die Sorge berechtigt?
Nein, moderne Geräte erreichen die erforderlichen Temperaturen problemlos. Ein Beispiel ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe Logatherm WLW186i TP70. Sie liefert Vorlauftemperaturen von bis zu 75 °C und bei –10 °C Außentemperatur immer noch 65 °C. Damit kann sie auch in vielen Bestandsgebäuden eingesetzt werden. Zusätzlich arbeiten moderne Systeme modulierend. Das heißt, sie passen ihre Leistung an den tatsächlichen Bedarf an, sodass nur die Energie verbraucht wird, die wirklich benötigt wird.
Wie stabil laufen moderne Systeme dann im Winter bei eisigen Temperaturen?
Sehr stabil. Moderne Geräte sind auf die Witterungsverhältnisse im Winter ausgelegt. Eisbildung und Vereisung klingen dramatisch, sind aber völlig normale physikalische Vorgänge. Dafür besitzen Wärmepumpen eine automatische Abtaufunktion. Wenn der Verdampfer vereisen sollte, startet das Gerät zuverlässig einen Abtauvorgang, der im Regelfall innerhalb von zehn Minuten abgeschlossen ist. Ein Heizungsausfall ist dadurch also äußerst unwahrscheinlich. Auch die Sorge, dass der Heizstab bei niedrigen Temperaturen einspringt und die Effizienz darunter leidet sowie Stromkosten steigen, ist unbegründet und tritt nur in Ausnahmefällen ein. In der Praxis spielt der Heizstab eine untergeordnete Rolle. Im Wärmepumpenfeldtest des Fraunhofer ISE lag der Anteil der Heizstabsarbeit bei lediglich 1,9 Prozent. Der Heizstab ist eher ein Backup für Ausnahmesituationen und nicht Teil des regulären Betriebs. Daher ist auch der Einfluss auf die Effizienz und die Kosten gering.
Was ist abschließend betrachtet wichtig, um eine Wärmepumpe, insbesondere im Winter, effizient zu betreiben?
Die Effizienz hängt nicht allein vom Gerät ab. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Systemkomponenten. Dazu zählen die richtige Auslegung der Anlage, eine intelligente Regelung, optimal abgestimmte Speicher und eine durchdachte Hydraulik. Zudem spielen auch die Gebäudehülle und die Heizflächen eine wichtige Rolle. Selbst die beste Wärmepumpe kann in einem schlecht gedämmten Gebäude nicht ihr Potenzial entfalten. Deshalb ist eine professionelle Planung zentral. Wir bei Buderus liefern dafür komplette, abgestimmte Systeme, die sicherstellen, dass alle Komponenten als Einheit funktionieren. Alles aus einer Hand.
Bildnachweis: Buderus
Weitere Newsmeldungen finden Sie unter https://imo-news.de/news-archiv/.
