08.08.2025

„Mieterstrom ohne einen einzigen Cent oder Eigenleistung? Funktioniert!“

In unserer Interview-Reihe „Im Fokus“ verraten Fachleute der Wohnungswirtschaft, was die Branche wirklich bewegt. In dieser Ausgabe spricht Enerfin-CEO Paul Hauser darüber, woran es beim Mieterstrom in Deutschland noch krankt – und warum smarte Contracting-Modelle die Lösung sein können.


imo-news: Lieber Herr Hauser, Ihre Firma kommt aus der Schweiz, wo Sie bereits vor zehn Jahren erste Mieterstromprojekte umgesetzt haben. Wenn Sie auf Deutschland blicken: Was sind die größten Hürden, die den Mieterstrom hierzulande noch ausbremsen?
Paul Hauser: Klassische Mieterstrommodelle werden in Deutschland häufig am Ende doch nicht umgesetzt, weil die Anforderungen sehr komplex sind. Eigentümer müssen zunächst erheblich investieren, sie müssen sich als Energieversorger registrieren, gesetzliche Vorgaben wie das EEG einhalten, das Projekt beim Zollamt anmelden und sich um Wartung und Abrechnung kümmern. All das bedeutet Aufwand, Haftung und wirtschaftliches Risiko. Verständlicherweise schreckt das selbst diejenigen ab, die fest entschlossen sind, die Energiewende vor Ort voranzubringen. Mieterstrom darf aber kein Bürokratiemonster sein.

Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung, Genossenschaftsmodell, Selbstversorgung durch Eigentümer und andere Varianten – beim Thema Mieterstrom stoßen potenziell Interessierte auf ganz unterschiedliche Modelle. Welches hat sich in der Praxis bewährt?
Das am weitesten verbreitete Modell ist das Mieterstrom-Contracting. Dabei übernimmt ein spezialisierter Dienstleister, also der Contractor, die Finanzierung, die Montage und den Betrieb der Solaranlage, den Service sowie die Stromlieferung an die Mieter im Haus. Darüber hinaus übernimmt er alle administrativen Aufgaben und rechtlichen Verpflichtungen. Der Gebäudeeigentümer beziehungsweise der Vermieter erzielt Einnahmen über eine Pacht für die Nutzung der Dachfläche. Das Modell reduziert Risiken, senkt Einstiegshürden und ermöglicht eine schnelle Umsetzung.

Neben den wirtschaftlichen Vorteilen: Welchen Einfluss hat Mieterstrom-Contracting beim Erfüllen regulatorischer Anforderungen?
Der große Vorteil ist, dass der Energieverbrauch im Gebäude systematisch erfasst wird. Die erhobenen Daten können für das ESG-Reporting genutzt werden. Das ist ein Faktor, den gerade institutionelle Investoren, Projektentwickler oder kommunale Wohnungsbaugesellschaften besonders schätzen. Auch die gesetzlichen Anforderungen aus dem Gebäudeenergiegesetz werden leichter erfüllt. Darüber hinaus kann Mieterstrom-Contracting ein wichtiger Baustein in der sektorübergreifenden Energienutzung sein: In Kombination mit Wärmepumpen, Batteriespeichern und Ladeinfrastruktur steigt die Energieeffizienz eines Gebäudes. Dies wirkt sich positiv auf Fördermöglichkeiten, den Wiederverkaufswert und die Gesamtbewertung eines Immobilienportfolios aus.

Welche Rolle spielt moderne Technologie wie KI oder automatisierter Stromhandel in diesem Modell?
Intelligente Systeme sind heute ein echter Mehrwert – und auch wirtschaftlich relevant. Unsere Enerfin-Software prognostiziert Energieverbrauch und -produktion mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Überschüssiger Strom wird automatisiert und gewinnoptimiert an der Börse verkauft – etwa auf dem Day-Ahead-Markt. Die Software analysiert dafür Wetter-, Verbrauchs- und Marktdaten und entscheidet, wann gespeichert oder eingespeist werden sollte. Die erzielten Erlöse kommen dem Eigentümer zugute. Gleichzeitig ist diese preisoptimierte Regelung netzdienlich und erhöht die Effizienz der Anlage. Als erfahrener und verlässlicher Mieterstrom-Partner bringt Enerfin diese Expertise nun auch in Projekte auf dem deutschen Markt ein. Als schweizerisches Unternehmen mit mittelständischer Prägung kennen wir die Herausforderungen kommunaler und genossenschaftlicher Wohnungsunternehmen ebenso wie die Bedürfnisse privater Immobilieneigentümer – und entwickeln daraus passgenaue, praxistaugliche Lösungen. Genau das macht uns zu einem Partner auf Augenhöhe.

Apropos auf Augenhöhe: Was haben die Mieterinnen und Mieter eigentlich vom Mieterstrom-Contracting?
Die Mieterinnen und Mieter erhalten lokal erzeugten Solarstrom direkt vom Dach – zuverlässig, CO₂-frei und deutlich günstiger als herkömmlicher Haushaltsstrom. Viele sparen dadurch jährlich mehr als 100 Euro an Stromkosten. Gleichzeitig profitieren sie von einem modernen Versorgungssystem, das bei Bedarf nahtlos auf Netzstrom umschaltet. In unserem Fall stehen bei Fragen persönliche Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung, da Enerfin die Projekte aus einer Hand umsetzt. Das schätzen Mieterinnen und Mieter ganz besonders, da sie mit unseren Experten ins Gespräch kommen und sich nicht mit einem anonymen Callcenter herumschlagen müssen.

Was würden Sie Wohnungsunternehmen raten, die zwar Interesse haben, aber noch unsicher sind, ob sich Mieterstrom für sie lohnt?
Mein Rat: Einfach prüfen lassen – ganz unverbindlich. Viele unterschätzen, wie attraktiv ein professionelles Mieterstrom-Contracting aus einer Hand heute sein kann. Mit einem verlässlichen Partner an der Seite braucht es weder Investition noch technisches Know-how. Mieterstrom ohne einen einzigen Cent oder Eigenleistung funktioniert! Die Vorteile sind vielfältig: planbare Zusatzerlöse, ein Plus bei Energieeffizienz und ESG, stabile Nebenkosten – und ein positiver Beitrag zur Energiewende. Wir erleben oft, dass nach dem ersten erfolgreichen Projekt schnell weitere folgen.

Bildnachweis: Enerfin Holding AG


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