
In unserer Interview-Reihe „Im Fokus“ verraten Fachleute der Wohnungswirtschaft, was die Branche wirklich bewegt. In dieser Ausgabe spricht Stephanie Kreuzpaintner, CEO der DOMUS Software AG, über den digitalen Wandel in der Wohnungswirtschaft und über das Konzept von „New Work“, das ihrer Überzeugung nach eng mit der Nutzung digitaler Möglichkeiten verknüpft ist.
imo-news: Frau Kreuzpaintner, DOMUS bietet seinen Kunden mit zahlreichen Softwarelösungen nicht nur die Möglichkeit, orts- und zeitunabhängig zu arbeiten, auch Ihr Unternehmen mit rund 120 Personen arbeitet vollständig remote. Viele große Unternehmen rufen ihre Mitarbeiter indes wieder zurück an den Büroschreibtisch. Sind die Homeoffice Zeiten nicht langsam vorbei?
Stephanie Kreuzpaintner: (lacht) Ganz im Gegenteil – sie fangen gerade erst an. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die derzeitigen technischen Entwicklungen – sei es die Einbindung von KI in den Arbeitsalltag oder die digitale Kommunikation auf unterschiedlichen Kanälen – auch nachhaltig auf das Arbeiten „von morgen“ auswirken werden. Davon wird nahezu keine Branche unberührt bleiben – und Homeoffice wird nicht nur in der Wohnungswirtschaft zu einer Selbstverständlichkeit werden. Tendenzen, die Mitarbeiter wieder zurück in´s Büro zu rufen, gibt es bei uns jedenfalls nicht – ganz im Gegenteil: Noch 2026 wird ein Großteil unserer ehemaligen Geschäftsräume aufgelöst sein.
Das ist ein mutiger Schritt, an dem nicht wenige Unternehmen scheitern. Welche zwingend notwendigen Voraussetzungen gibt es aus Ihrer Sicht, um ein erfolgreiches Zusammenarbeiten von zahlreichen verschiedenen Orten aus möglich zu machen?
Eine klare Struktur, verbindliche Kommunikationsroutinen, Eigenverantwortung der einzelnen Mitarbeiter sowie ein gesundes Vertrauen seitens der Geschäftsführung. Wir haben bereits weit vor Corona damit begonnen, Strukturen zu schaffen, die auf Vertrauen und Verbindlichkeit basieren: So ist bei uns beispielsweise der Kameraeinsatz in Meetings obligatorisch, unsere Teams haben fest definierte Quartals- und Jahresziele und regelmäßige Meetings sorgen für den nötigen Austausch untereinander. Zudem treffen wir uns viermal im Jahr persönlich: zweimal Team-intern – bei diesen Treffen versuche ich auch regelmäßig, dabei zu sein – und zweimal im Jahr mit der gesamten DOMUS-Familie. Eines dieser Treffen findet alljährlich bei unserer gemeinsamen Weihnachtsfeier statt – und auch hier sind wir (ganz gemäß unserer Firmenphilosophie) ziemlich ortsunabhängig: Vergangenes Jahr fand die Feier in Würzburg statt, heuer werden wir uns in Bremen treffen. Die einzige Voraussetzung für die „Qualifikation“ als Treffpunkt ist eine ausreichende Zahl Betten vor Ort – das wird mit über 100 Mitarbeitern langsam eine echte Herausforderung.
Die Wohnungswirtschaft und New Work – wie geht das zusammen?
Grundsätzlich erfordert ein neuer Weg immer den Mut, sich von Gewesenem zu trennen, es zu hinterfragen und es zum richtigen Zeitpunkt zu optimieren – auch wenn es lange Jahre erfolgreich war. Wer glaubt, das Model von „New Work“ realisiert zu haben, wenn er seinen Mitarbeitern ein paar Tage Homeoffice im Monat einräumt und in neue technische Tools investiert, irrt sich. Die erfolgreiche Digitalisierung, die derzeitige Transformation des Dienstleistungsprozesses und die stetige Optimierung bestehender Prozesse erfordern Knowhow, aber auch die Begeisterungsfähigkeit und die schon angesprochene Eigenverantwortung der ganzen Belegschaft. Dies führt wiederum zu einem tiefgreifenden Wandel innerhalb des Unternehmens – und das betrifft Arbeitsabläufe ebenso, wie Hierarchien. Ohne digitale Prozesse funktioniert diese neue Arbeitsweise nicht, und umgekehrt gilt dies natürlich genauso.
Die Wohnungswirtschaft ist bekanntermaßen scheu, was Digitalisierung und die Integration von KI in ihre Systeme angeht. Wie gehen Sie mit Skepsis gegenüber KI um?
Wir begegnen ihr mit Transparenz und realen Anwendungsfällen. Wenn unsere Kunden sehen, wie sich Abläufe vereinfachen, beschleunigen und bisweilen auch qualitativ verbessern lassen, ohne dafür mehr tun zu müssen, entsteht eine positive Eigendynamik, die vieles möglich macht. Diesen „Funken“ erfolgreich in die Belegschaft zu tragen, ist meines Erachtens eine der Kernaufgaben der Geschäftsführung – schon zum Beginn einer Digitalisierungsstrategie. Es darf nicht darum gehen, Ängste zu wecken. Die Möglichkeiten der Technik tragen dazu bei, die gesamte Wohnungswirtschaft effektiver, serviceorientierter und gleichzeitig wirtschaftlicher zu machen. Diese Potenziale müssen offen kommuniziert werden. Dann sind die Mitarbeiter auch bereit, aus ihrer vielzitierten „Komfortzone“ zu treten. Letztendlich trifft das wahrscheinlich auch auf die ganze Branche zu.
Bildnachweis: DOMUS Software AG
