20.02.2026

Klimaschutzprogramm 2026: Emissionsziele im Gebäudesektor werden voraussichtlich verfehlt

Der geleakte Entwurf des Klimaschutzprogramms 2026 zeigt eine deutliche Lücke zwischen Anspruch und Realität. Nach aktuellem Stand würde Deutschland das Minderungsziel von 65 Prozent bis 2030 verfehlen. Auch im Gebäudesektor ist die Lage kritisch. Die Emissionsziele werden voraussichtlich klar überschreitet. Gleichzeitig bleiben Finanzierung, konkrete Maßnahmen und Strategien, um CO₂-Emissionen zu senken, unklar.

65-Prozent-Ziel wohl nicht erreichbar

Nach den derzeit bekannten Berechnungen könnten die Emissionen bis 2030 lediglich um rund 63 Prozent sinken. Vorgesehen sind mindestens 65 Prozent gegenüber 1990. Auch das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 erscheint unter den aktuellen Annahmen gefährdet.

Während die Energiewirtschaft ihre Zielwerte teilweise übererfüllt, verfehlen insbesondere Verkehr und Gebäude ihre Vorgaben deutlich. Für den Gebäudesektor summiert sich die prognostizierte Überschreitung bis 2030 auf rund 110 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente.

Gebäudesektor bleibt strukturelles Problemfeld

Gerade im Gebäudebereich zeigt sich, dass bestehende Instrumente bislang nicht ausreichen. Modernisierungs- und Effizienzvorgaben stehen einer weiterhin hohen Emissionslücke gegenüber. Gleichzeitig bleibt offen, wie zusätzliche Maßnahmen finanziert und sozial abgefedert werden sollen. Auch die Annahmen zu sogenannten Negativemissionen, also CO₂-Senken durch Aufforstung und Moore, gelten als unsicher.

Damit verschärft sich der Handlungsdruck, die CO₂-Minderung im Bestand wirksamer, planbarer und finanzierbar zu gestalten.

Kritische Stimmen aus der Branche

Aus der Wohnungswirtschaft wird vor allem die fehlende Finanzierungssicherheit kritisiert. Der GdW warnt davor, Maßnahmen zu beschließen, ohne deren Finanzierung klar zu regeln. Wenn zusätzliche Anforderungen nicht durch verlässliche Fördermittel unterlegt würden, drohten entweder ausbleibende Investitionen oder steigende Wohnkosten. Klimaschutz im Gebäudebereich könne nur gelingen, wenn ökologische Zielsetzungen mit wirtschaftlicher Vernunft und sozialer Verantwortung verbunden würden.

Auch die Energiewirtschaft mahnt strategische Klarheit an. Neben sektorübergreifenden Maßnahmen fordert sie verlässliche Leitplanken für Strom, Wärme, Wasserstoff und Verkehr sowie ein konsistentes Gesamtkonzept, das Investitionssicherheit gewährleistet.

Strategischer Wendepunkt

Das neue Klimaschutzprogramm soll bis Ende März veröffentlicht werden. Nach der Kritik am Vorgängerprogramm steht die Bundesregierung unter besonderem Handlungsdruck. Entscheidend wird sein, ob das finale Programm konkrete, finanzierte und sozial tragfähige Maßnahmen enthält – insbesondere für die Emissionsminderung im Gebäudebestand.

Bildquelle: iStock

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