Bis 2045 soll der deutsche Gebäudebestand klimaneutral sein. Doch noch verbrauchen Gebäude knapp 35 Prozent unserer gesamten Endenergie und auch die CO2-Emissionen bewegen sich auf diesem Niveau. Nun rücken zunehmend innovative, digitale Lösungsansätze in den Fokus. Sie versprechen nicht nur Effizienz, sondern auch Skalierbarkeit und Transparenz.
Am Anfang jeder Klimastrategie im Gebäudesektor stehen die klassischen Maßnahmen: Dämmung, Fenstererneuerung, Heizungstausch. Die energetische Sanierung der Gebäudehülle gilt weiterhin als Grundpfeiler – sie reduziert den Wärmebedarf dauerhaft und unabhängig von Energiepreisen oder Förderkulissen. Doch die Realität ist komplexer. Die klassische Sanierung ist oft teuer und verursacht teils lange Leerstände oder Mietausfälle.
Digitalisierung als Schlüssel zur Effizienz
Während bauliche Maßnahmen vor allem langfristig wirken, eröffnet die Digitalisierung unmittelbar nutzbare Potenziale. Intelligente Gebäudesteuerungen, Smart Metering, Sensorik und KI-basierte Optimierung machen
Energieflüsse sichtbar und steuerbar – in Echtzeit. Ein Beispiel für die Umsetzung einer solchen smarten Lösung bietet die Berliner Kugu Home GmbH. Das PropTech-Unternehmen digitalisiert Verbrauchsdaten und bildet komplette Gebäude virtuell nach. Dieser sogenannte digitale Zwilling verknüpft technische Parameter, Verbrauchswerte und externe Einflüsse – etwa Wetterprognosen oder Belegungsmuster – zu einem Echtzeitmodell. Auf dieser Basis optimiert die Lösung Heizsysteme automatisch und kontinuierlich. Die Ergebnisse sprechen für sich: In Projekten der kommunalen Wohnungswirtschaft wurden in der vergangenen Heizperiode Energieeinsparungen von bis zu 30 Prozent erzielt – bei gleichbleibendem Wohnkomfort. Besonders relevant für die Wohnungswirtschaft ist bei diesem Ansatz die offene, modulare Architektur des Produkts. „Unsere Lösung ist herstellerunabhängig, lässt sich nahtlos in bestehende Softwarelandschaften integrieren und die Kosten sind umlagefähig“, sagt Christopher von Gumppenberg, CEO und Mitgründer von Kugu. „So ermöglichen wir der Wohnungswirtschaft eine schrittweise Digitalisierung und liefern mit unserer Einspargarantie von 12 Prozent auch den wirtschaftlichen Hebel dafür.“
Energieeffizienz im Mehrparteienhaus durch smarte Thermostate
Eine weitere Möglichkeit, die Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit im Gebäudebetrieb signifikant zu steigern, ist der Einsatz smarter Thermostate. Bisher wurden die intelligenten Helfer hauptsächlich in Einfamilienhäusern genutzt. Die Hamburger Noventic Group hat dies geändert und eine integrierte wohnungswirtschaftliche Lösung für die smarte Wärmeversorgung von Mehrparteienhäusern entwickelt. Die Full-Service-Lösung wird entlang
bestehender wohnungswirtschaftlicher Prozesse durch die Noventic-Tochter Kalo montiert und über den gesamten Produktlebenszyklus betrieben. Angepasst auf die spezifischen Anforderungen des vermieteten Bestands ist die Hardware besonders robust designt und mit Assistenz-Features wie einer Luftfeuchtewarnung oder Fenster-offen-Erkennung ausgestattet. So steigert die Lösung den wirtschaftlichen Betrieb im vermieteten Bestand durch sinkende Energie- und CO2-Kosten und bindet die Bewohnerinnen und Bewohner in die energetischen Modernisierungsmaßnahmen durch einfache, individuelle und komfortsichernde Steuerungsmöglichkeiten sowie eine nachvollziehbare, unmittelbare Verbrauchstransparenz ein.
Hydraulischer Abgleich ohne Entwässerung und Ventilaustausch
Zusätzlich können die smarten Thermostate im Retrofit mit der bestehenden Heizinfrastruktur den hydraulischen Abgleich (Verfahren T) umsetzen. Das erfolgt adaptiv, der hydraulische Abgleich wird also nicht nur einmalig vorgenommen, sondern findet kontinuierlich statt. Im Vergleich zu einem klassischen hydraulischen Abgleich ist dieses Verfahren wirtschaftlicher, da das Ausschalten der Heizanlage sowie der aufwendige Ventiltausch entfallen und die Umsetzung keine Fachhandwerker oder mehrfache Begehung der Wohnungen erfordert. Der TÜV Rheinland bestätigte und zertifizierte die Wirksamkeit des gesetzeskonformen Alternativverfahrens. Auch für das Zentralheizungsmonitoring hat Kalo unter dem Namen Heat Sense eine Lösung. Diese prüft und überwacht die Heizanlage gemäß den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) § 60b und unterstützt darüber hinaus die laufende Optimierung des Anlagenbetriebs mittels KI. Das Zentralheizungsmonitoring ist eine Retrofit-Lösung und kann zudem detaillierte Informationen zum hydraulischen Zustand des Heizkreislaufs im Gebäude liefern.
CO2-Bepreisung beschleunigt Entwicklung
Ein weiterer Treiber hin zu mehr Energieeffizienz ist die seit 2023 erhobene CO2-Steuer. Je schlechter die energetische Qualität eines Gebäudes ist, desto tiefer müssen Vermieterinnen und Vermieter in die Tasche greifen. Seitdem lohnt sich Energieeffizienz für Bestandshalterinnen und Bestandshalter doppelt – ökologisch und ökonomisch. Digitale Systeme helfen dabei, den CO2-Ausstoß schnell und geringinvestiv zu reduzieren, die CO2-Kostenaufteilung aus Vermietersicht zu verbessern und damit in Summe die Belastung für Vermieterinnen und Vermieter zu senken.
Der digitale Wandel als Klimachance
Die Dekarbonisierung des Gebäudesektors ist keine Vision mehr, sondern eine Notwendigkeit. Die klassischen Sanierungsinstrumente bleiben unverzichtbar – doch erst in Kombination mit digitalen Lösungen entfalten sie ihre volle Wirkung. Geringinvestive Ansätze zur Verbrauchsreduktion sind verfügbar und bereit für den Einsatz in der professionellen Wohnungswirtschaft. Die Branche hat damit nicht nur die Chance, ihre CO2-Bilanz zu verbessern, sondern auch ihre Prozesse zu modernisieren, Betriebskosten zu senken und die Zufriedenheit der Mieterinnen und Mieter zu steigern.
(Bildquelle: iStock)
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