Im kürzlich erschienenen Frühjahrsgutachten 2026 zeichnen die Immobilienweisen ein klares Bild: Die Bauwirtschaft liegt weiterhin rund 25 Prozent unter dem Niveau von 2022, für 2026 werden lediglich 215.000 Wohnungsfertigstellungen erwartet – deutlich weniger als benötigt. Das Gutachten fordert tiefgreifende Strukturreformen statt punktueller Maßnahmen: schnellere Genehmigungen, niedrigere Erwerbsnebenkosten, einen rechtssicheren Gebäudetyp E und eine Überprüfung der Mietregulierung. Ohne grundlegende Reformen drohe ein nachhaltiger Wachstumsverlust.
Bauwirtschaft weiterhin geschwächt
Nach zwei rückläufigen Jahren verzeichnete die deutsche Wirtschaft 2025 lediglich ein minimales Wachstum. Besonders stark betroffen bleibt die Bauwirtschaft. Die Bruttowertschöpfung liegt weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2022. Zwar zeigen die Genehmigungszahlen eine leichte Stabilisierung, doch der massive Einbruch der Vorjahre wirkt zeitverzögert nach.
Wohnungsbau in anhaltender Krise
Besonders alarmierend ist die Situation im Wohnungsbau. 2026 soll die Zahl der Fertigstellungen weiter auf rund 215.000 sinken. Dem gegenüber steht ein deutlich höherer jährlicher Bedarf. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage vergrößert sich damit weiter. Eine spürbare Erholung wird frühestens ab 2027 prognostiziert – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen verbessern sich nachhaltig. Dabei werden Kommunen als entscheidende Akteure im Wohnungsbau genannt.
Klare Reformagenda
Das Gutachten spricht sich für umfassende Strukturreformen aus. Dazu zählen die Vereinfachung und Harmonisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, die Senkung der Grunderwerbsteuer sowie steuerliche Anreize für Neubau- und Sanierungsinvestitionen. Auch die Einführung eines rechtssicheren Gebäudetyp E wird als Hebel für kosteneffizientes Bauen genannt. Zudem plädieren die Immobilienweisen für eine strukturelle Überprüfung der Mietregulierung, da Kappungsgrenzen und Vergesellschaftungsideen den Angebotsengpass langfristig verschärfen.
Erste Stabilisierungstendenzen
Trotz der schwierigen Gesamtlage identifiziert das Gutachten auch positive Signale. Inflation und Zinsen haben sich stabilisiert, die Volatilität bei Renditen ist zurückgegangen. Der Logistikmarkt zeigt sich robust, der Hotelmarkt hat wieder Vorkrisenniveau erreicht und die Preiskorrektur bei Wohnimmobilien scheint abgeschlossen.
Moderate Erholung – aber nur mit Reformen
Für 2026 wird ein moderates Wirtschaftswachstum von etwas über einem Prozent erwartet. Eine nachhaltige Trendwende hängt jedoch maßgeblich von strukturellen Reformen ab. Das Frühjahrsgutachten wurde kürzlich an die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesbauministerium übergeben und steht öffentlich zur Verfügung.
Das vollständige Frühjahrsgutachten 2026 finden Sie unter www.fruehjahrsgutachten.de.
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