
In unserer Interview-Reihe „Im Fokus“ verraten Fachleute der Wohnungswirtschaft, was die Branche wirklich bewegt. In dieser Ausgabe spricht Jürgen Hasselmayer, Produktmanager mit der Verantwortung für Kunden- und Partnerschnittstellen bei METRONA München, warum Schnittstellen weit mehr sind als ein technisches Detail – und wie sie die Branche strategisch verändern können.
imo-news: Welche strategische Bedeutung haben digitale Schnittstellen für die Wohnungswirtschaft?
Jürgen Hasselmayer: Digitale Schnittstellen sind ein wesentlicher Baustein, um Prozesse zwischen Wohnungsunternehmen und Messdienstleistern zu automatisieren. Sie ermöglichen, dass Verbrauchsdaten, Stammdaten wie z.B. Mieterwechsel, Kosten- und Brennstoffdaten sowie Abrechnungsergebnisse direkt und ohne Medienbruch ausgetauscht werden. Damit entfallen manuelle Arbeitsschritte und potenzielle Fehlerquellen. Strategisch bedeutet das: Unternehmen gewinnen an Geschwindigkeit, Transparenz und Reaktionsfähigkeit – wichtige Faktoren in einem Markt, der zunehmend datengetrieben ist.
Welche Rolle spielt Standardisierung – etwa durch die bved-APIs – für den Erfolg solcher Schnittstellen?
Standardisierte Schnittstellenformate sind entscheidend, um verschiedene Systeme effizient miteinander zu verbinden. Sie senken Integrationskosten, verbessern die Datenqualität und schaffen Planungssicherheit. Der bved (Bundesverband für Energie- und Wasserdatenmanagement) entwickelt solche Standards gemeinsam mit Softwareherstellern und Messdienstleistern. Die sogenannten APIs (Application Programming Interfaces) sind digitale Schnittstellen, die es IT-Systemen ermöglichen, automatisch und direkt miteinander zu kommunizieren. Die bved-APIs gehen dabei über bestehende Standards hinaus. Der Portal-Login beim Messdienst und das Einreichen und Herunterladen der Datensätze fällt weg. Zudem ermöglichen die APIs zusätzliche Funktionen wie Echtzeit-Feedback.
Welchen Einfluss haben digitale Schnittstellen auf Arbeitsabläufe und Personalressourcen in der Wohnungswirtschaft?
Schnittstellen ersetzen keine qualifizierten Fachkräfte, sie entlasten diese aber erheblich. Routineaufgaben wie das manuelle Hochladen oder Übertragen von Daten entfallen. Durch den Wegfall manueller Datenerfassung sinken Personal- und Prozesskosten. Gleichzeitig erhöht sich die Datenqualität, was spätere Korrekturen und Doppelarbeiten reduziert. Moderne Schnittstellen bieten zudem ein unmittelbares Feedback zu Datenfehlern, so dass Abrechnungen schneller fertiggestellt werden können. So bleibt mehr Zeit für komplexe Tätigkeiten wie die Planung von Sanierungsmaßnahmen oder die Abstimmung mit Eigentümern. Das kann helfen, den Druck durch knappe Personalressourcen zu verringern.
Wie verändert sich die Zusammenarbeit zwischen Wohnungswirtschaft und Messdienstleistern durch die neuen bved-APIs?
Die Zusammenarbeit wird transparenter und direkter. Wohnungsunternehmen können Abrechnungsaufträge, Stammdaten oder unterjährige Verbrauchsinformationen, Kosten- und Brennstoffdaten sowie Abrechnungsergebnisse unmittelbar aus ihrem ERP-System heraus senden und empfangen. Fehler werden sofort angezeigt, Korrekturen lassen sich zeitnah umsetzen. Das verkürzt die Durchlaufzeiten und erhöht die Verlässlichkeit der Abrechnungsergebnisse.
Welche Chancen ergeben sich durch Schnittstellen für zusätzliche digitale Services über die Abrechnung hinaus? Welche Entwicklungen erwarten Sie für die Zukunft?
Schnittstellen erleichtern die Integration weiterer digitaler Services – beispielsweise die mittlerweile verpflichtende E-Rechnung für B2B-Umsätze. Zudem wird der Datenaustausch zwischen verschiedenen Dienstleistern – nicht nur Messdiensten – weiter an Bedeutung gewinnen. Zu nennen sind hier beispielsweise ERP-Systeme, immobilienwirtschaftliche Plattformen oder Mieter-/Eigentümer-Portale.
Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen, dass Schnittstellen zunehmend auch für automatisierte Entscheidungsprozesse genutzt werden. Künstliche Intelligenz könnte beispielsweise unter anderem auf Basis von Verbrauchsdaten Optimierungsvorschläge für den Betrieb (automatisierte Heizungssteuerung) oder für vorausschauende Wartung (predictive Maintenance) machen.
Bildnachweis: METRONA München
