10.11.2025

„Der wichtigste Preistreiber sind nicht mehr allein die Baukosten, sondern die gestiegene Schadenbelastung.“

In unserer Interview-Reihe „Im Fokus“ verraten Fachleute der Wohnungswirtschaft, was die Branche wirklich bewegt. In dieser Ausgabe spricht Kevin Klöber, Geschäftsführer von Klöber Versicherungsmakler GmbH, über die aktuellen Prämienerhöhungen in der Gebäudeversicherung, ihre Ursachen und mögliche Lösungsansätze, um trotz dieser Entwicklungen gut aufgestellt zu bleiben.


imo-news.de: Herr Klöber, viele Versicherte erleben derzeit deutliche Prämienerhöhungen in der Gebäudeversicherung. Warum steigen die Beiträge so stark?
Kevin Klöber: Der wichtigste Preistreiber sind nicht mehr allein die Baukosten, sondern die gestiegene Schadenbelastung. Wir sehen seit Jahren deutlich höhere Schadenzahlen – etwa durch Leitungswasser, Sturm, Hagel oder Starkregen. Gleichzeitig haben sich die Kosten für Reparaturen und Material enorm verteuert. Hinzu kommt: Die Rückversicherung, also die Absicherung der Versicherer selbst, ist erheblich teurer geworden. Das alles führt dazu, dass Risiko und Ertrag bei vielen Gesellschaften nicht mehr zusammenpassen.

Und warum ziehen sich Versicherer teilweise aus der Gebäudeversicherung zurück?
Weil die Ertragssituation in diesem Segment extrem angespannt ist. Viele Versicherer zahlen seit Jahren mehr Schäden aus, als sie an Prämien einnehmen. Vor allem die Rückversicherer haben nach den extremen Wetterjahren ihre Preise deutlich angehoben. Für die Erstversicherer wird es dadurch noch schwieriger, profitabel zu arbeiten. Manche konzentrieren sich deshalb nur noch auf bestimmte Kundengruppen oder Regionen, in denen sie stabile Schadenquoten erwarten. Der Markt sortiert sich also neu – weg vom Massenprodukt, hin zu selektiver Risikopolitik.

Bedeutet das, dass es bald kaum noch Anbieter gibt?
Der Anbietermarkt wird sich definitiv verkleinern – das sehen wir schon heute. Gesellschaften suchen sich ihre Zielgruppen aus und meiden riskante Regionen. Gleichzeitig entstehen neue Nischenanbieter, die sich auf spezielle Gebäudetypen oder Zielgruppen fokussieren. Für Verwalter und Eigentümer heißt das: Der Markt wird enger, aber auch spezialisierter. Es braucht mehr Marktkenntnis, um die passende Lösung zu finden.

Welche Rolle spielt die Inflation bei den steigenden Prämien?
Eine große. Die Inflation wirkt gleich doppelt: Sie verteuert die Schadenregulierung – also das, was Handwerker und Material heute kosten – und sie erhöht langfristig die Wiederherstellungskosten, auf die der Versicherungswert basiert. Manche Versicherer passen deshalb ihre Indexwerte aggressiver an als früher, um nicht „hinterherzulaufen“. Das führt zu spürbaren Beitragssprüngen.

Welche Lösungsansätze sehen Sie für Verwalter und Eigentümer, um trotz dieser Entwicklung gut aufgestellt zu bleiben?
Entscheidend ist, dass man jedes Gebäude individuell betrachtet – mit seiner Schadenhistorie, Ausstattung und seinen Risikomerkmalen. Es macht einen großen Unterschied, ob ein Objekt moderne Leitungssysteme, Brandschutztechnik oder Sensorik zur Leckageüberwachung hat. Solche Faktoren reduzieren nachweislich das Risiko und machen ein Gebäude für Versicherer wieder attraktiv.

Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die Integration von Selbstbehalten. Dadurch lassen sich Kleinschäden aus der Regulierung herausnehmen, was die Schadenquote stabilisiert und die Versicherbarkeit langfristig verbessert. Versicherer honorieren dieses Risikobewusstsein häufig mit besseren Konditionen oder stabileren Prämien. Wichtig ist jedoch, den Selbstbehalt so zu wählen, dass er zur Schadenhistorie und zur finanziellen Tragfähigkeit des Eigentümers passt.

Zudem werden in Zukunft technische Präventionsmaßnahmen – etwa Wasserwarnsysteme oder smarte Gebäudesensoren – eine immer größere Rolle spielen. Wer in solche Technik investiert und seine Risikodaten aktiv dokumentiert, verschafft sich klare Vorteile bei der Prämiengestaltung.

Gibt es auch hausgemachte Ursachen innerhalb der Branche?
Ja, zum Teil. In der Vergangenheit wurden viele Policen zu knapp kalkuliert, um Marktanteile zu sichern. Das fällt jetzt auf. Hinzu kommt, dass viele Gebäude in Deutschland sanierungsbedürftig sind – alte Leitungen, Dächer, Heizsysteme. All das erhöht das Schadenrisiko. Wer als Verwalter oder Eigentümer keine regelmäßige Instandhaltung nachweisen kann, wird heute seltener gute Konditionen bekommen.

Was raten Sie Verwaltern und Eigentümern jetzt konkret?
Nicht jede Prämienerhöhung einfach akzeptieren. Jede Anpassung sollte fachlich geprüft werden – vor allem, ob sie tatsächlich durch gestiegene Baupreise, Indexwerte oder Schadenskosten gerechtfertigt ist. In vielen Fällen lohnt sich ein Vergleich oder eine Neuverhandlung. Wir sehen regelmäßig, dass pauschale Anpassungen nicht immer korrekt berechnet sind. Wichtig ist, den Markt zu kennen und mit einem Partner zu arbeiten, der auch die Hintergründe versteht – nicht nur die Zahlen.

Ihr Fazit?
Der Markt wird anspruchsvoller, aber nicht unlösbar. Wer seine Verträge regelmäßig prüft, Schäden aktiv managt und Sanierungsmaßnahmen dokumentiert, bleibt versicherbar und kann Prämienanpassungen besser verhandeln. Kurz gesagt: Nicht jede Erhöhung hinnehmen, sondern vorher genau hinschauen. Das spart langfristig mehr, als jeder vorschnelle Anbieterwechsel.

Bildnachweis: Klöber Versicherungsmakler GmbH


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