23.01.2026

Baugenehmigungen steigen, Wohnraummangel bleibt groß

Die jüngsten Zahlen zu den Baugenehmigungen senden ein vorsichtig positives Signal: Erstmals seit längerer Zeit ziehen die Genehmigungen wieder an, insbesondere im Mehrfamilienhausbau. Gleichzeitig verschärft sich die Lage auf den Wohnungsmärkten weiter. Laut aktuellen Studien fehlen bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen. Branchenverbände begrüßen den leichten Aufwärtstrend, warnen jedoch davor, ihn zu überschätzen. Ohne strukturelle Reformen, bezahlbare Baukosten und verlässliche Förderung droht die Lücke zwischen Bedarf und Neubau weiter zu wachsen.

Rekorddefizit am Wohnungsmarkt
Nach Einschätzung des Pestel-Instituts hat der Wohnungsmangel in Deutschland bereits Ende 2024 ein historisches Ausmaß erreicht. Besonders betroffen sind junge Menschen, Menschen mit Behinderungen sowie ältere Haushalte in Ballungszentren. Studierende geben beispielsweise im Durchschnitt ungefähr die Hälfte ihres monatlichen Budgets für Wohnen aus. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum entwickelt sich zunehmend zu einer Wachstumsbremse, da Fachkräfte nicht dorthin ziehen können, wo sie gebraucht werden. Studien rechnen in den kommenden Jahren lediglich mit rund 200.000 neuen Wohnungen jährlich – deutlich weniger als der tatsächliche Bedarf.

Sozialer Wohnungsbau unter Druck
Besonders angespannt bleibt die Situation im sozialen Wohnungsbau. Obwohl rund die Hälfte der 23 Millionen Mieterhaushalte Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein hat, steht bundesweit nur noch etwa eine Million Sozialwohnungen zur Verfügung. Gleichzeitig stagniert der Neubau. Im vergangenen Jahr wurden nur noch rund 220.000 Wohnungen neu gebaut. Kritisiert wird vor allem die Förderpraxis des Bundes, bei der Mittel über mehrere Jahre gestreckt ausgezahlt werden und Länder sowie Kommunen in Vorleistung gehen müssen.

Wohnungswirtschaft sieht Licht und Schatten
Parallel zu den alarmierenden Bestandszahlen verzeichnet das Statistische Bundesamt bei den Baugenehmigungen zuletzt einen Anstieg. Im November 2025 wurden rund 20.100 Wohnungen genehmigt, bei Mehrfamilienhäusern lag das Plus bei über 13 Prozent. Verbände wie GdW und ZIA bewerten diese Entwicklung als ermutigend, weisen jedoch darauf hin, dass das Niveau noch weit unter früheren Jahren liegt. „Genehmigungen allein lösen die Wohnungsfrage nicht“, erläutert GdW-Präsident Axel Gedaschko. „Entscheidend ist, dass aus ihnen auch tatsächlich gebaut wird. Und zwar zu Mieten, die sich breite Teile der Bevölkerung leisten können.“ Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und komplexe Verfahren belasten weiterhin insbesondere den bezahlbaren Wohnungsbau.

2026 als Bewährungsprobe
Aus Sicht der Wohnungswirtschaft wird 2026 zum entscheidenden Jahr. Gefordert werden unter anderem vereinfachte Baustandards, eine praxistaugliche Novellierung des Baugesetzbuchs, digitalisierte Verfahren sowie Förderinstrumente, die Investitionen tatsächlich ermöglichen. Nur wenn Genehmigungen, Baukosten, Förderung und Bezahlbarkeit zusammen gedacht werden, kann aus der aktuellen Erholung eine nachhaltige Trendwende entstehen. „Wohnen ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis, dem Politik und Verwaltung höchste Priorität einräumen müssen,“ betont Gedaschko.

(Bildquelle: iStock)

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